Adelung.

Campe.

—  1714  —

Bezug  auf  Wortformen  und  Wortschatz  als  auch  auf
die  Aussprache  die  mustergültige  Sprache  für  das
übrige  Deutschland  sein  müsse.  Es  galt  nunmehr,
auch  diese  Auffassung  zu  überwinden  und  zu  Fall
zu  bringen.  Das  haben  unsere  grossen  Klassiker  fertig
gebracht.  Sie  haben  uns  durch  ihr  Beispiel  gelehrt,
dass  das  richtige  Hochdeutsch  an  keine  Mundart
und  keine  Gegend  gebunden  ist,  vielmehr  Gemeingut
  aller  Gebildeten  in  den  deutschen  Gauen  ist.
Zu  ihrer  Zeit  aber  drang  diese  Erkenntniss  noch
keineswegs  allgemein.  durch.  Der  bedeutendste
und  zugleich  letzte  in  der  Reihe  der  Grammatiker
  des  ı8.  Jahrhunderts,  Joh.  Christoph  Adelung
(1734  —  1806),  steht  noch  ganz  auf  dem  Boden
seiner  Vorgänger,  indem  er  die  meissnische  Sprache
als  die  beste  ansieht.  In  seinen  deutschen  Sprachlehren
  (1781  und  1782)  und  seinem  deutschen
Wörterbuch  (1774  —  ı785)  vertritt  er  diese  Ansicht.
Ihm  ist  die  Zeit  Gottscheds  und  Gellerts,  um  die
Mitte  des  .ı8.  Jahrhunderts,  die  Blütezeit  der
hochdeutschen  Schriftsprache;  sein  Wörterbuch  beschränkt
  sich  auf  den  Sprachgebrauch  dieser  Zeit
und  der  sächsischen  Mundart;  andere  Wörter,  selbst
solche,  die  zu  jener  Zeit  und  bis  heute  unbedenklich
  gebraucht  werden,  finden  keine  Stelle  darin  und
werden  in  Acht  und  Bann  erklärte.  Trotz  dieses
engherzigen  Standpunkts  wurde  Adelungs  Autorität
in  weiten  Kreisen  anerkannt  und  seine  Zeitgenossen
standen  vollständig  unter  seinem  Bann.  Erst  Joachim
Heinrich  Campe  macht  sich  in  seinen  Schriften
und  seinem  Wörterbuch  (1807—  ı811)  von  Adelungs
Einfluss  los  und  nimmt  eine  Menge  Wörter  auf,  denen
Adelung  noch  das  Bürgerrecht  versagt  hatte.  Doch
das  vereinzelte  Eintreten  der  Gelehrten  hätte  wohl