wie  Zöbe,  Flagge,  Flotte,  Tau,  Wrack  u.  s.  w.  Aber
auch  hochdeutsche  Mundarten  steuern  bei:  fesch,
(Wienerisch),  Aräu  (Münchener  Ausdruck),  Senne
(Schweiz),  £raxeln  (oberbairisch)  u.  a.  m.

Wenn  sich  daher  auch  das  grammatische  Gefüge
  der  neuhochdeutschen  Schriftsprache  seit  der
Mitte  des  18.  Jahrhunderts  nicht  geändert  hat,  so  ist
doch  ihr  Wortschatz  zum  Teil  ein  anderer  geworden.
Wir  sehen  hierbei  ganz  ab  von  der  Bereicherung
desselben  durch  neue  Kulturerrungenschaften  wie
Dampfschiff,  Eisenbahn,  Bahnhof,  Bogenlicht,  Kraftwagen
  u.  Ss.  w.  und  wollen  nur  den  schon  zu  jener
Zeit  vorhandenen  Wortvorrat  ins  Auge  fassen.  Auch
bei  diesem  ist  neben  geringfügigem  lautlichem
Wechsel  wie  jetz!  für  älteres  2/2,  /hre  (=  Euer)  für
/hro  (Majestät)  u.  a.  mannigfacher  Bedeutungswandel
zu  verzeichnen.  Niemand  kann  heute  mehr  Maul
ohne  Nebenabsicht  für  Mund  gebrauchen,  ein
Fräulein  mit  Frauenzimmerchen  anreden,  wie  es
Lessing  tut,  oder  .statt  die  Damen  die  Frauenzimmer
  grüssen  lassen  wie  Goethe  in  seinen  Briefen
schreibt,  der  auch’  vor  heute  anstatt  /är  heute  sagt
(Brief  vom  15.  November  1796);  Witz  ist  nicht  mehr
—  „Verstand‘  (vergl.  Mutterwitz),  Post  nicht  mehr
—  „Nachricht“,  gemein  gebrauchen  wir  selten  mehr
im  Sinn  von  „allgemein‘,  artig  nicht  mehr  in  dem
Sinne  von  ‚nett‘,  verkennen  nicht  mehr  —  xicht
wieder  erkennen,  wie  es  die  klassische  Zeit  tat,  u.  s.  w.

Doch  im  allgemeinen  dürfen  wir  sagen,  dass
die  Schriftsprache  so  fest  gefügt  und  durch  die
schulmässige  Ueberlieferung  so  sehr  vor  grösseren
Aenderungen  geschützt  ist,  dass  selbst  wirkliche
Verbesserungen  und  Erleichterungen,  die  von  berufenen
  Männern  der  Wissenschaft  oder  hervor-Feist,

  Die  deutsche  Sprache.  12

Aenderungen
  im
Wortschatz.
