ragenden  Schriftstellern  ausgehen,  nur  schwer  Eingang
  finden.  Wie  viele  Einsichtige  arbeiten  nicht
dem  aus  der  Zeit  des  Humanismus  (16.  Jahrhundert)
  stammenden  Unfug  entgegen,  das  Zeitwort
  im  abhängigen  Satz  immer  ans  Ende  zu  stellen!
Wie  oft  hat  man  sich  nicht  bemüht,  den  trennbaren
Partikeln  bei  zusammengesetzten  Zeitwörtern  eine
solche  Stelle  zu  geben,  dass  sie  nicht  durch  ganze.
Zeilen  von  ihrem  Verb  getrennt  sind!  Und  wie
gering  sind  die  Erfolge  auf  diesem  Gebiet!  Die
Schriftsprache,  ist  eben  kein  vom  Ohr  erfasstes,
lebendiges  Idiom,  sondern  sie  ist  ein  für  das  Auge
bestimmtes  Kunsterzeugnis  geworden  und  in  Starrheit
versunken,  bis  bessere  Zeiten  sie  zu  neuem,  wirklichem
  Leben  erwecken  werden.

$  24.
Der  Vokalbestand  der  neuhochdeutschen
Schriftsprache.

Wenn  wir  im  Vorhergehenden  die  Entstehung,
Weiterbildung  und  Festlegung  unserer  Schriftsprache
verfolgt  haben,  so  ist  nunmehr  der  Augenblick  gekommen,
  ihre  heutige  lautliche  Gestalt  näher  ins
Auge  zu  fassen.  Da  die  lautlichen  Veränderungen
seit  der  Zeit  ihrer  Entstehung  nur  geringfügiger
Natur  sind,  so  können  wir,  ohne  grosse  Irrtümer
zu  begehen,  die  dazwischen  liegenden  Jahrhunderte
überspringend  die  heutige  Schriftsprache  mit  der
mittelhochdeutschen  Sprache  vergleichen,  deren
äussere  Gestalt  wir  in  $  14  zu  zeichnen  versucht
haben.

Die  grössten  Veränderungen  sind  im  Vokalis-.
mus  zu  verzeichnen,  besonders  bei  den  kurzen