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Pluralis  des  Präsens:  gebent  —  sie  geden  durch
Anlehnung  an  die  übrigen  Formen  der  3.  Personen:
gäben,  gaeben  und  ı.  Person:  wir  geben  verloren
gegangen.

Noch  viele  andere  vereinzelte  Lautwandlungen,
die  sich  hier  nicht  aufzählen  lassen,  zeigen  ausser  den
schon  erwähnten,  dass  die  nhd.  Schriftsprache  ihren
Ursprung  aus  verschiedenartigen  Mundarten  nicht
verleugnen  kann.  Wenn  der  Vokalismus  wesentlich
  mitteldeutsch  ist,  so  beruht  das  Konsonantensystem
  des  Nhd.  auf  der  oberdeutschen  Lautgebung,
neben  der  sich  indes  mitteldeutscher  Einfluss  sehr
merklich  macht.  Man  kann  aber  sagen,  dass  dieser
letztere  seit  Luthers  Tagen  eher  ab-  als  zugenommen
  hat.  Heutzutage  steht  unsere  Schriftsprache,
  entsprechend  dem  im  Norden  liegenden
politischen  Schwerpunkt  Deutschlands,  zumeist  unter
norddeutschem  Einfluss  in  niederdeutscher  Umgebung.
  Nicht  nur  dringt  die  norddeutsche  Aussprache
  immer  weiter  nach  Süddeutschland  vor,
sondern  auch  die  niederdeutsche  Lautgestaltung
macht  ihre  Einwirkung  geltend:  sachte  (neben  sanf?)
echt,  Nichte,  Schlucht  weisen  cht  statt  oberdeutschem
ft  (vgl.  Niftel,  Schluft);  kneipen,  fett  (oberd.  feist),
Wappen  (oberd.  Waffen),  ruppig,  Harke  zeigen  mit
unverschobenem  p,  t,  K  nach  Niederdeutschland.
Der  Schwerpunkt  unserer  sprachlichen  Entwicklung,
der  im  Mittelalter  im  Süden,  im  ı16.,  17.  und  ı8.
Jahrhundert  in  Mitteldeutschland  lag,  ist  im  ı9.
Jahrhundert  nach  Norddeutschland  gerückt,  wo  die
Reichshauptstadt  Berlin  nicht  nur  in  der  literarischen,
sondern  auch  in  der  sprachlichen  Entwicklung  tonangebend
  ist  und  es  in  der  nächsten  Zeit  voraussichtlich
  in  noch  stärkerem  Masse  als  bisher  sein