Die
schwache
Konjugation.


Der  Bindevokal
  e  im
Präteritum

lebendige  sog.  grammatische  Wechsel  (s.  $  8,  S.  54)
bis  auf  wenige  Reste  beseitigt  und  der  auslautende
Konsonant  entweder  des  Präsens-  oder  des  Perfektstammes
  durchgeführt  worden  ist.

So  hiess  es  im  Mhd.  noch:  dihe  —  d£ch.  --digen

  —  gedigen,  im  ‘Nhd.  ge-deihen,  -dieh,
-diehen  (daneben  das  isolierte  Adjektiv  gediegen),
kiuse  —  kös  —  kurn  —  gekorn  =  nhd.  Züre  —
kor  —  gekoren,  hähen  —  hiene  —  hiengen  —

gehangen  =  nhd.  Ahangen  —  hing  --  gehangen,
(der  Konsonant  im  Stammauslaut  des  Praet.  ist
ins  Praes.  gedrungen).  Ueberreste  des  grammatischen
  Wechsels  im  Nhd.  sind:  ziehen  —  zog
gezogen,  leiden  (schneiden)  —  litt  (schnitt)  —
gelitten  (-schnitten),;  sieden  —  sott  —  gesolten.

Das  Nhd.  kennt  nur  noch  eine  schwache  Konjugation,
  während  das  Mhd.  noch  die  Nachwirkungen
  der  ahd.  &amp;  und  “-Konjugation  in  dem
sog.  Rückumlaut  aufweist  ($  15,  S.  314),  der  im  Nhd.
bis  auf  einige  Reste  getilgt  ist.  Dem  mhd.  hoeren  —
hörte  —  gehoeret  entspricht  nhd.  gleichförmiges
hören  —  hörte  —  gehört.  Vier  Zeitwörter:  brennen,
kennen,  nennen,  rennen  haben  in  den  Formen
brannte,  kannte,  nannte,  rannte  den  Rückumlaut
bis  heute  erhalten;  ebenso  die  schon  im  Urgermanischen
  bindevokallosen  Präterita:  drachte  von
bringen,  dachte  von  denken  und  deuchte  von  dünken
nebst  den  entsprechenden  Mittelwörtern  gedracht,
gedacht,  gedeucht  (neben  gedünkt).

Wenn  das  Mhd.  zwischen  lobete  oder  sagete
(mit  Bindevokal)  und  hörte  oder  suochte  (ohne
Bindevokal)  unterschied,  so  hat  das  Nhd.  vereinheitlicht:
  /odte,  sagte,  hörte  und  suchte  sind  alle
bindevokallos.  Dagegen  setzt  es  den  Bindevokal