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des  lateinischen  Alphabets  auch  dessen  Unvollkommenheiten
  übernommen:  so  dient  e  und  o
ohne  Unterschied  zur  Bezeichnung  des  offenen  und
des  geschlossenen  Vokals;  ein  und  derselbe  Buchstabe
  dient  zur  Wiedergabe  verschiedener  Laute:
wie  lat.  c  bald  k,  bald  ts  gesprochen  wurde,  so
dient  im  Ahd.  und  Mhd.  z  für  zwei  gänz  verschiedene.
  Laute,  für  die  Affrikata  in  zaln  =  nhd.
zahlen  und  einen  s-artigen  Laut  in  ezzen  —=  nhd.
eBsgen.

Wenn  also  schon  in  alter  Zeit  die  schriftliche
Wiedergabe  des  gesprochenen  Worts  eine  unvollkommene
  war  —  und  es  wie  in  allen  Sprachen  sogar
  sein  musste,  da  es  für  die  landläufige  Schreibweise
  unmöglich  ist,  die  zahllosen  feinen  Abtönungen
  der  Laute  einer  Rede  wiederzugeben  —
so  hat  sich  diese  Unvollkommenheit  im  Laufe  der
Zeit  noch  gesteigert.  Denn  die  Sprache  ändert
sich  von  einem  Geschlecht  zum  andern,  aber  das

geschriebene  Zeichen  bleibt  und  entspricht  endlich

  nicht  mehr  dem  gesprochenen  Laut.  So  schrieb

Schrift  und  und  sprach  man  in  ahd.  Zeit  s-l,  s-m,  s-n,  S-t,  S-p;

Aussprache.


in  mhd.  Zeit  schon  und  heute  noch  spricht  man
aber  schl,  schm,  schn,  scht,  schp;  teilweise  hat
sich  die  Schreibung  der  Aussprache  angepasst,
teilweise  aber  —  bei  st  und  sp  —  ist  erstere  auf
dem  alten  Standpunkt  stehen  geblieben.  Es  kann
auch  der  Fall  eintreten,  dass  zwei  ursprünglich
verschiedene  Laute  in  einen  zusammenfallen,  die
Schreibung  aber  beide  bewahrt,  wie  mhd.  und  nhd.
v  und  f  in  Vater  und  Faden  oder  nhd.  ei  und  ai,
die  beide  ai  (eig.  ae)  gesprochen  werden  in  /eide
und  ZAaide.  Anderseits  dient  ein  und  dasselbe
Zeichen  für  verschiedene  Laute:  ch  in  Dach  und