Gotische
Schrift.

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günstigerer  Lage  befinden,  so  steht  doch  unsere
Rechtschreibung  an  leichter  Erlernbarkeit  der
italienischen  z.  B.  weit  nach.  Noch  schleppen  wir
zahllose  Dehnungs-e  und  h  mit;  ja  die  ersteren
sind  noch  überflüssigerweise  in  den  Zeitwörtern
auf  -ieren  dem  historischen  Prinzip  zulieb  wieder
eingeführt  worden.  Noch  schreiben  wir  unnötigerweise
  die  Hauptwörter  mit  grossen  Anfangsbuchstaben,
  wovon  unsere  germanischen  Staminesbrüder,
die  Dänen,  Schweden  und  Holländer  im  vorigen
Jahrhundert  wieder  abgegangen  sind.  Noch  verwenden
  wir  die  sog.  gotische  Schrift,  eine  Schnörkelschrift
  des  Mittelalters,  anstatt  der  lateinischen
Schrift,  die  alle  andern  europäischen  Völker  längst
oder  neuerdings  wieder  eingeführt  haben.  Denn
die  sog.  deutsche  Schrift  kam  nicht  den  Deutschen
allein  zu,  sie  war  im  Mittelalter  allgemein  verbreitet;
  sie  ist  nur  ein  Kennzeichen  der  deutschen
Sprache  geworden  durch  unser  hartnäckiges  Verharren
  auf  einem  veralteten  und  unzweckmässigen
Standpunkt.  |

Indes  sind  doch  schon  die  Anfänge  einer
Besserung  zu  spüren.  Fast  alle  gelehrten  Werke
werden  heute  in  lateinischer  Schrift  gedruckt,  die
sich  auch  in  den  Büchern  mit  kunstgeschichtlichem
oder  künstlerischem  Inhalt  immer  weiter  ausbreitet,
überhaupt  überall  da,  wo  auf  Verbreitung  im  Ausland
  gerechnet  wird.  So  steht  zu  hoffen,  dass  in
nicht  allzu  ferner  Zeit  noch  mancher  Zopf  in  der
deutschen  Rechtschreibung  fallen  wird,  wozu  ja
die  neueste  Regelung  von  1901  mit  ihrer  freieren
Auffassung  in  zweifelhaften  Fällen  bereits  einen  verheissungsvollen
  Anfang  gemacht  hat.