6  Knochengerüst.

dem  griechischen  „Skelos“,  womit  man  den  größten  menschlichen  Knochen,
das  „Schenkelbein“,  bezeichnete.  "

Dieser  ebenso  komplizierten  wie  äußerst  zweckmäßigen  Anordnung  und
Gestaltung  der  einzelnen  Teile  des  Knochengerüstes,  die  selbstredend  nur  das
Produkt  einer  langsamen  Anpassung  an  immer  neue  von  außen  herantretende
Anforderungen  sind,  verdanken  wir  die  vielseitigen  körperlichen  Fähigkeiten,
unsere  Gewandtheit,  Beherrschung  der  Umgebung  usw.

Die  Gesamtzahl  der  Knochen  des  Erwachsenen  beträgt  samt  32  Zähnen
und  den  sechs  Gehörknöchelchen  240.

Um  bestimmte  Arbeit  zu  leisten,  bedarf  man  in  der  Mechanik  fester
Stoffe:  Stein,  Holz,  Metall.  Die  Knochen  der  Tiere  und  Menschen,  welche
nichts  anderes  sind  als  Hebel,  die  mit  Rollen  versehen  sind,  und  welche  Lasten
zu  tragen  und  Bewegungen  auszuführen  haben,  enthalten  daher  auch  feste
Stoffe,  welche  im  ausgewachsenen  Zustande  des  Menschen  bedeutende  Härte
erreichen.  Die  Hauptbestandteile  der  Knochensubstanz  sind  erdige  Stoffe,  vor
allem  phosphorsaurer  Kalk,  welcher  deshalb  in  der  menschlichen  Nahrung  immer
reichlich  vorhanden  sein  muß.  Viele  Knochenerkrankungen  sind  nur  auf  Verarmung
  an  Kalk  zurückzuführen.

Beständen  die  Knochen  jedoch  nur  aus  Erden,  so  wären  sie  tot  und
starr;  es  sind  ihnen  daher  Leim  gebende,  also  organische  Bestandteile,  beigemengt
  in  Form  der  Knorpel,  Sehnen  und  Häute,  welche  sie  elastisch  machen.
Außerdem  werden  sie  von  Blutgefäßen  durchzogen  und  enthalten  in  ihren
Röhren  Fettstoffe  (Knochenmark).

Wesentliche  Unterschiede  zwischen  dem  männlichen  und  weiblichen  Knochengerüste
  gibt  es  nicht;  wir  sehen  bei  der  Frau  nur  etwas  kleinere  und  schwächere,
demgemäß  auch  etwas  leichtere  Knochen,  und  bei  Betrachtung  der  beiden
Skelette  als  besonderes  Merkmal  den  breiteren  Schultergürtel  des  Mannes,
der  durch  die  kräftigere  Arbeit  der  Arme  allmählich  entstand,  und  das  schmälere
Becken,  während  sich  beim  Weibe  durch  die  Mutterschaft  das  Becken  stärker
entwickelte  und  demgemäß  an  der  äußeren  Gestalt  hervortritt.  Ihre  Hüftbreite
  ist  also  größer  als  die  des  Mannes,  besonders  im  Verhältnis  zur  Größe
der  ganzen  Gestalt,  während  ihr  Schultergürtel  kleiner  ist  als  der  des  Mannes.
Das  sind  die  einzigen  Unterschiede  am  Knochengerüst  der  Geschlechter.  (Siehe
weibliche  und  männliche  Normalgestalt  nach  Merrkel.)

Bei  krankhaften  Erscheinungen  in  den  Knochen  genügen  die  vorstehenden
Abbildungen,  um  die  an  den  betreffenden  Körperstellen  liegenden  Knochen  erlennen
  und  auch  bezeichnen  zu  können,  und  wenn  dies  erreicht  ist,  haben  unsere
Abbildungen  ihren  Zweck  erfüllt.