Muskeln.  9

im  Alter  der  Reife  nie  mehr  vollständig  zu  beheben  sind,  wenngleich  man
durch  Gymnastik  und  Massage  oft  noch  Wesentliches  zu  erreichen  vermag.
Am  häufigsten  hat  man  es  mit  Verbiegungen  der  Wirbelsäule  zu  tun,  wodurch
  schiefe  Schultern,  ungleiche  Hüften  usw.  entstehen.  Die  Verbiegungen
können  nach  der  Seite,  nach  hinten  und  nach  vorne  stattfinden.  Auf  den
Geburtsvorgang  haben  sie  bedeutenden  Einfluß,  wenn  sie  im  unteren  Teile
der  Wirbelsäule  sitzen  und  das  Kreuzbein  vor  allem  nach  innen,  also  nach  der
Beckenhöhle  zu,  ausbiegen,  so  daß  dadurch  der  „gerade  Durchmesser“  verkürzt
wird.  Dann  entstehen  Größenverhältnisse,  welche  schwere  Geburten  verursachen
oder  auch  zum  „Kaiserschnitt"  zwingen,  durch  welchen  nicht  nur  die  Mutter,
sondern  auch  das  Kind  gerettet  werden  kann.  (Siehe  „Das  Kind“,  II.  Teil.)

Außer  Verkürzung  des  geraden  Durchmessers  gibt  es  selbstredend  noch
andere  „Beckenfehler",  die  für  die  Gestalt  der  Frau  oder  ihre  mütterlichen
Aufgaben  von  Bedeutung  sind.  Sie  treten  jedoch  verhältnismäßig  selten  auf.

Was  man  zu  tun  und  zu  vermeiden  hat  vom  Beginn  des  Wachstums
eines  Kindes  im  Mutterleib  an  bis  zur  vollendeten  Reife,  um  normale  Entwickelung
  der  Knochen  zu  erzielen,  werden  wir  teils  in  der  allgemeinen  „Gesundheitspflege“,
  teils  im  zweiten  Abschnitt  unseres  Buches,  welcher  das
Kind  behandelt,  näher  ausführen  und  allseitig  begründen.  Um  jedoch  das
volle  Verständnis  für  diese  Ansführungen  finden  zu  können,  ist  es  notwendig,
das  Kapitel  über  das  Knochengerüst  aufmerksam  zu  lesen,  weshalb  wir  auch
später  immer  wieder  darauf  zurückkommen  werden.

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Die  Muskeln  des  Menschen.

Unter  „Muskeln“  versteht  man  jene  Weichteile  des  tierischen  Körpers,
welche  die  Aufgabe  haben,  die  Bewegung  zu  vermitteln;  sie  sind  großer
Zusammenziehung  fähig  und  bilden  dasjenige,  was  man  als  „Fleisch“  bezeichnet.
  Auch  an  Blutgefäßen  und  Nerven  sind  sie  reich  und  bestehen  aus
aufeinandergelegten  Fasern,  die  sich  zu  Bündeln  vereinigen.  Durch  Verkürzung
oder  Erschlaffung  nähern  sie  Knochenteile  oder  entfernen  sie  voneinander,  erweitern
  oder  verengern  sie  Höhlen  des  Körpers.  Dies  ist  der  Fall  bei  jeder
Bewegung,  die  wir  ausführen,  z.  B.  beim  Erheben  eines  Armes,  bei  den
Zusammenziehungen  des  Herzens,  bei  der  Verengerung  und  Erweiterung  der
Gefäße  usw.  Mit  „Muskelarbeit“  sind  also  alle  Lebensfunktionen  umseres
Organismus  verbunden;  ihre  Ernährung,  ihre  kräftige  Entwicklung  müssen
daher  einen  wesentlichen  Bestandteil  unserer  Fürsorge  bilden.

Das  weibliche  Geschlecht  ist  das  muslelschwache  und  muslelarme.
Es  soll  damit  nicht  gesagt  sein,  daß  es  elwa  weniger  Muskeln  hätte