Atmung.  ·  19

Unsere  Htmungsorgane  und  der  Vorgang  der  Htmung.

Will  man  ein  tlares  Bild  von  dem  Bau  und  den  wichtigsten  Funktionen
unseres  Organismus  geben  und  begreiflich  machen,  warum  wir  andere  Forderungen
  an  unsere  Lebensweise  und  Krankenbehandlung  stellen,  als  dies
bisher  im  allgemeinen  üblich  war,  so  muß  man  auch  den  Vorgang  der  Atmung
erklären  und  seine  hohe  Bedeutung  zum  Bewußtsein  bringen.  Ohne  Luft
können  wir  nicht  einmal  wenige  Minuten  leben,  ohne  Wasser  kaum  wenige
Tage;  die  Atmung  steht  an  Wichtigkeit  also  in  erster  Reihe,  die  Aufnahme
von  Flüssigkeit  in  zweiter,  dann  erst  kommt  die  feste  Nahrung  in  Betracht.
Dieser  Hinweis  belehrt  uns  am  besten.

Durch  die  Verbindung  mit  dem  Sanerstoff  werden  alle  jene  Kraftleistungen
  hervorgebracht,  welche  wir  als  Beweise  des  Lebens  betrachten.
Der  Sauerstoffaufnahme  parallel  läuft  die  Abgabe  der  Kohlensäure  und  des
Wasserdampfes.  Auch  die  Haut  des  menschlichen  Körpers,  die  mit  Kanälen
und  feinstem  Blutgefäßnetz  versehen  ist,  hat  eine  Art  Atmung  („Hautatmung"),
von  der  wir  bei  Beschreibung  der  Haut  eingehender  sprechen  werden.  Einzelne
Autoren  sprechen  auch  von  einer  „Magenatmung“,  weil  mit  den  verschluckten
Speisen  auch  Luft  in  den  Magen  kommt  und  die  Schleimhänte  des  Verdanungskanals
  etwas  Kohlensäure  absondern.  Man  unterscheidet  eine  „äußere
Atmung“  —  Verkehr  des  Blutes  mit  der  Außenluft  —  und  eine  „innere
Atmung“  —  Aufnahme  und  Abgabe  von  Atmungsgasen  seitens  der  Organe
und  Organzellen.  Bei  der  inneren  Atmung  nimmt  das  Blut  Kohlensäure
auf,  bei  der  äußeren  Sauerstoff,  es  hat  also  verschiedene  Aufgaben.  Ohne
sauerstoffreiches  Blut  können  die  Zellen  nicht  leben.

Da  die  Lungen  also  auch  die  von  den  Zellen  ausgeschiedenen,  für  ihr
Fortbestehen  unbrauchbar  gewordenen  Stoffe  nach  außen  abführen  müssen,
so  dürfen  die  Lungen  als  „Blutreinigungsorgane“  bezeichnet  werden.  Dieselbe
  Aufgabe  haben  Haut  und  Nieren,  die  sich  sogar  in  besonderem  Maße
unterstützen.  Man  wird  danach  verstehen,  was  es  für  einen  Organismus
bedeutet,  wenn  eines  dieser  drei  Organe  erkrankt  und  seine  Aufgaben  nicht
mehr  zu  erfüllen  vermag.  Tatsächlich  ist  ein  ganzes  Heer  von  krankhaften
Zuständen  entstanden,  weil  die  Haut  zahlreicher  Menschen  infolge  falscher
Bekleidung  nur  noch  ganz  mangelhaft  sunktioniert,  oder  weil  die  Nieren  infolge
  zu  häufiger  Reizungen  bei  ungesunder  Ernährung  versagen,  oder  weil
bei  flacher  Atmung  sowie  bei  mangelhafter  Entwicklung  des  Brustkastens,
in  noch  höherem  Grade  natürlich  bei  schleichenden  Lungenkatarrhen,  die  Blutreinigung
  nur  unvollkommen  vor  sich  gehen  tann.  Besonders  unter  der  Frauenwelt
  herrscht  eine  beklagenswerte  Unklarheit  über  diese  Verhällnisse;  die
größere  Hälfte  derselben  führt  bei  verkümmertem  Leibe  ein  schwächliches
Dasein  und  lernt  volle,  krästige  Lebensfreude  überhaupt  nicht  tennen.

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