20  Atmung.

Gründlichere  Atmung,  sauerstoffreichere  Luft  ist  das  erste  Mittel,  um  die
Lebensgeister  zu  wecken,  neue  Lebensfreude  zu  erzeugen.  Möchten  diese  Zeilen
das  Verständnis  dafür  und  das  Verlangen  danach  auch  bei  Mutlosen  und
Zaghaften  wieder  hervorrufen!

Nachstehende  Farbentafel  Nr.  2  zeigt  uns  das  Innere  der  Lunge,  die
zahlreichen  kleinen  Luftröhren  und  Gefäße,  die  teils  in  die  „Luftröhre“  als
Fortsetzung  des  Kehlkopfes,  teils  in  die  großen  Hauptgefäße  des  Herzens
münden  und  uns  eine  deutliche  Vorstellung  von  dem  Nebeneinander  der
„Luftröhren“  und  „Blutröhren“,  ihrer  austanschenden  Tätigkeit  und  ihrer
Lage  zum  Herzen  geben.

Bekanntlich  besteht  die  Lunge  aus  kleinen  Bläschen,  welche  an  dem
Ende  der  kleinsten  Bronchien  (kleine  Luftröhren)  sitzen  und  sich  vermöge  ihrer
Elastizität  erweitern,  wenn  Luft  eindringt,  und  zusammenfallen,  wenn  die  Luft
infolge  äußeren  Druckes  und  der  elastischen  Wände  wieder  entweicht.  Man
bezeichnet  diese  zwei  wichtigen  Vorgänge  als  Ein=  und  Ausatmung.  Die
zarten,  elastischen  Wandungen  der  Lungenbläschen  sind  mit  feinsten  Blutäderchen
(Kapillaren)  ausgekleidet,  welche  sogar  ein  dichtes  Netz  um  sie  bilden  und
mit  einzelnen  Schlingen  in  den  Hohlraum  der  Bläschen  hineinragen.  Wie
gesagt  findet  dort  der  Austausch  von  Sauerstoff  und  Kohlensäure  statt.

Damit  sich  die  Lunge  frei  ausdehnen  kann,  muß  sie  nach  allen  Seiten
unbehindert  sein;  sie  ist  daher  nur  an  der  sogenannten  Lungenwurzel,  an
jenem  Teil  ihrer  Innenfläche,  durch  welchen  sie  mit  den  Bronchien  und  den
großen  Blutgesäßen  zusammenhängt,  angeheftet.  Das  Brustfell  ist  ein  häutiger
  Sack,  welcher  die  Lunge  und  den  inneren  Rippenraum  bedeckt.  Es
stellt  den  empfindlichsten  Teil  der  Atmungsorgane  dar  und  verursacht  bei
Entzündungen  oder  anderen  Erkrankungen  heftige  Schmerzen.  Ansammlungen
von  Eiter  und  Flüssigkeit  im  Brustfellsacke  hemmen  die  Ausdehnungsfähigkeit
der  Lungen  und  sind  deshalb  für  den  Bestand  des  Organismus  von  Gefahr.

Die  menschliche  Lunge  teilt  sich  in  den  rechten  und  linken  Flügel.  Der
rechte  Flügel  hat  drei,  der  linke  zwei  Lappen.  Die  rechte  Lunge  ist  deshalb
etwas  größer  als  die  linke;  die  Farbe  der  Lunge  schwankt  je  nach  ihrem
Gehalt  an  färbenden  Fremdstoffen  (Staub,  Kohle)  zwischen  rot  und  blauschwarz.

Unsere  Farbentafel  Nr.  2  führt  uns  diese  Verhältnisse  deutlich  vor.

Denkende  Leserinnen  werden  sich  gewiß  auch  die  Frage  stellen:  Wie
kommt  die  Atembewegung  überhaupt  zustande?  Was  befördert  sie?  Was
hemmt  sie?  Die  Lungen  haben  wenig  Nerven,  an  den  Lungenbläschen  sitzen
auch  keine  Muskeln,  Eigenbewegung  haben  sie  also  nicht;  die  Atmung  wird
daher  in  erster  Linie  durch  das  Zwerchfell,  in  zweiter  durch  die  Muskeln
des  Brustkorbs  ansgeführt.  Das  Zwerchfell  teilt  Brust  und  Bauch  in  zwei
gesonderte  Räume  und  besteht  aus  einem  muskulösen  und  einem  sehnigen
Teile.  Es  erhält  seinen  Bewegungsreiz  durch  einen  langen  Nerv,  der  vom
Halsmark  abgeht  und  wie  alle  anderen  Nerven  mit  einem  bestimmten  Punkt