22  Haut.

indem  sie  stellvertretende  Arbeit  leisten.  Die  Zahl  der  chronischen  und  akuten
Hautkrankheiten  hat  sich  in  unserer  Zeit  bedenklich  vermehrt,  und  die  Fälle
von  schlaffer,  reaktionsunfähiger  Haut  sind  besonders  bei  blutarmen  Frauen
unendlich  häufig.  Nicht  minder  oft  tritt  Überempfindlichkeit  der  Hantnerven
auf,  die  zu  vielen  Mißbräuchen  Anlaß  gibt,  aber  abgehärteten  Menschen  ganz
unbekannt  ist.  Es  ist  daher  dringend  notwendig,  die  Beschaffenheit  der  Haut
zu  kennen  und  sie  richtig  behandeln  zu  lernen.

Die  Haut  besteht  aus  einer  oberen  Schicht,  welche  aus  verhornten,  nicht
mehr  lebensfähigen  Zellen  gebildet  wird  —  daher  die  „Abschuppung“  der
Haut,  die  Unempfindlichkeit  dieser  Oberhanut  (Epidermis),  welche  man,  da
sie  weder  Nerven  noch  Blutgefäße  enthält,  auch  anstechen  kann,  ohne  Schmerz
zu  erzengen,  —  und  aus  einer  blut-,  nerven=  und  drüsenreichen  Schicht,  der
Lederhant,  in  welcher  sich  wichtige  Vorgänge  vollziehen.

Unterhalb  dieser  befindet  sich  die  Fettschicht,  die  bei  dicken  Menschen
mächtig  entwickelt  ist  und  unter  normalen  Verhältnissen  die  Schutzkraft  der
Hautdecke  vermehrt.

Ihre  Empfindungsfähigkeit  erhält  die  Haut  durch  zahlreiche  feine  Nervenfäden
  und  die  verdickten  Nervenenden,  die  sogenannten  Tastkörperchen,  die
in  verschiedener  Dichte  in  der  Hant  verteilt  sind  und  die  Eindrücke,  die  sie
von  der  Außenwelt  empfangen  —  sei  es  Hitze=  oder  Kältereiz,  Schmerz  oder
Druck  —  nach  dem  Gehirn  oder  Rückenmark  weiterleiten.

Mit  dem  Gesamtblut  des  Organismus  steht  die  Haut  durch  zahlreiche
Gefäßschlingen  in  Verbindung,  die  besonders  die  Hautdrüsen  umgeben.  Bei
stärkerer  Erhitzung  und  vermehrter  Muskelanstrengung  füllen  sich  diese  Hautgefäße
  sofort  in  höherem  Grade  mit  Blut  und  geben  an  die  Hautdrüsen  mehr
von  ihrem  Inhalt  ab.  Man  empfindet  diesen  Vorgang  durch  Feuchtigkeit  und
Geruch.  Ihr  Füllungsgrad  ist  aber  auch  maßgebend  für  das  Wärmegefühl
der  Hant.  Wir  bekommen  eine  blasse  Haut,  wir  frösteln,  wenn  sich  die  Gefäßmuskelchen
  infolge  Nervenreizes  zusammenziehen,  die  Gefäßröhren  dadurch
verengen  und  den  Blutinhalt  derselben  vermindern,  und  wir  haben  eine  mehr
oder  minder  rote  Haut,  heiß  und  feucht,  wenn  eine  Erweiterung  der  Adern
eintritt.  Es  ist  leicht  zu  verstehen,  daß  die  Abkühlung  einer  heißen  Flüssigkeit
um  so  rascher  erfolgt,  je  mehr  letztere  in  kleinere  Röhren  verteilt  wird,  die
sich  nach  allen  Richtungen  hin  ausbreiten.  Sie  strahlen  dabei  viel  Wärme
aus  und  bringen  ihren  Inhalt  bedeutend  abgekühlt  an  ihren  Ausgangspunkt
wieder  zurück.  Ganz  so  geschieht  es  mit  dem  warmen  Blut.  Wenn  durch
den  sogenannten  Verbrennungsvorgang  (die  Verbindung  mit  Sauerstoff  unter
Bildung  von  Kohlensäure  und  Wasser)  im  Organismus  nicht  immer  von  neuem
Wärme  erzeugt  würde,  so  müßte  unser  Blut  infolge  der  beständigen  Wärmeausstrahlung
  unserer  Haut  sehr  bald  vollständig  erkalten.

Wird  diese  Wärmeausstrahlung  vorübergehend  unterbrochen,  z.  B.  durch
zu  dichte  Bekleidung  oder  im  Froststadium  bei  hohem  Fieber,  bei  welchem