26  Harnorgane.

Lunge  und  Haut  beständig  Wasser  abgeben,  ferner,  wozu  es  in  unserem
Organismus  in  solchen  Mengen  nötig  sei.  Durch  die  chemischen  Vorgänge  in
unserem  Körper  und  den  Hinzutritt  von  Sauerstoff  wird  unaufhörlich  Wasser
neu  gebildet,  außerdem  bestehen  auch  unsere  Nahrungsmittel  größtenteils  aus
Wasser,  das  wieder  ausgeschieden  werden  muß.  Der  Zweck  des  Wassers  ist,
als  „Vehikel“  zu  dienen,  d.  i.  als  Träger  und  Leitmittel  aller  jener  Stoffe
und  Vorgänge,  die  ohne  lösende  Flüssigkeit  undenkbar  wären  und  den  fernstliegenden
  Organen  zugeführt  werden  sollen.  Nächst  der  Luft  können  wir
daher  das  Wasser  am  schwersten  entbehren,  und  es  erträgt  sich  auch  nichts
schwerer  als  längeres  Dursten.

Wir  brauchen  also  viel  Wasser  in  unserem  Körper,  und  es  ist  unter
natürlichen  Verhältnissen  auch  reichlich  vorhanden.

Die  überschüssigen  Blutsalze,  die  sich  immer  im  Harn  befinden,  sind  Ver—
bindungen  des  Kaliums,  Natriums,  Kalziums  und  Magnesiums  (der  sogenannten
Erden)  mit  Phosphor,  Schwefel  und  Kohlenstoff  als  phosphorsaurer  Kalk
(Kalzium),  als  kohlensaurer  Kalk,  als  schwefelsaurer  Kalk  und  phosphorsaure
Magnesia  usw.  Wie  diese  Verbindungen  zustandekommen,  ist  nicht  leicht
zu  erklären;  das  Verständnis  für  diese  komplizierten  Vorgänge  setzt  vielmehr
Kenntnisse  der  Chemie  voraus,  wie  sie  nur  wenige  besitzen.  Wir  wollen  uns
daher  nicht  weiter  damit  beschäftigen;  der  bloße  Hinweis  darauf  lehrt  ja,
welche  Stoffe  im  lebenden  Organismus  vorrätig  sein  müssen,  um  die  Vorgänge
  des  „Lebens“,  d.  i.  die  Tätigkeit  aller  Organe,  zu  erhalten,  und  welche
daher  auch  im  Harn  nicht  fehlen  dürfen.

Die  Grundbestandteile  aller  organischen  Körper  sind  Kohlenstoff,
Sauerstoff,  Wasserstoff  und  Stickstoff;  durch  Hinzutritt  von  Sauerstoff
  und  mineralischen  Stoffen  sowie  Eisen  entstehen  die  verschiedenartigsten
neuen  Verbindungen.  Alle  Eiweißverbindungen  enthalten  Steckstoff,  welcher
frei  wird,  wenn  ersteres  zerfällt.  In  Verbindung  mit  Kohlenstoff  und  Wasserstoff
  bildet  sich  aus  dem  freigewordenen  Stickstoff  ein  Zerfallprodukt,  der
Harnstoff,  der  eine  wichtige  Rolle  im  tierischen  Organismus  spielt.  Die  ausgeschiedene
  Tagesmenge  schwankt  bei  Gesunden  zwischen  20—40  Gramm  und
vermehrt  sich  bedentend  bei  sehr  eiweißreicher  Kost  (Fleisch),  auch  bei  vermehrtem
Zerfall  des  Körpereiweißes  (nicht  Nahrungseiweiß),  wenn  zehrende  Krankheiten
mitwirken.  Nach  der  Menge  des  Harnstoffes  richtet  sich  die  Harnsäure,
welche  bei  Gicht  und  gewissen  Stoffwechselstörungen  in  größeren  Mengen  ausgeschieden
  wird  oder  aber  im  Körper  sich  ablagert  und  dann  die  Quelle  nagender
Schmerzen  ist.  Als  harnsaures  Natron  findet  sie  sich  besonders  reichlich  im
Harn  bei  Fieber,  ferner  nach  starkem  Schwitzen,  wo  sie  sich  als  rotgefärbtes
Ziegelmehlsediment  (Niederschlag)  ablagert.  Trüber  Harn,  Satzbildung  in
demselben  beweist  immer  eine  vorübergehende  Störung  der  normalen  chemischen
Vorgänge  im  Innern  unseres  Körpers,  indem  entweder  von  den  gebildeten
Salzen  zu  viel  zur  Ausscheidung  gelangen,  oder  zu  viel  —  gewissermaßen