Verdauungsapparat.  29

Unser  Verdauungsapparat.

Unter  Verdauung  versteht  man  die  Überführung  der  gelösten  Nährstoffe
  in  das  Blut,  durch  welches  sie  sämtlichen  Organen  und  deren  Zellen
zugeleitet  werden.  Wir  haben  schon  ausgeführt,  daß  in  unserem  Organismus
behufs  Kraft=  und  Wärmeerzeugung  beständig  chemische  Vorgänge,  Zerfall
und  Vereinigung,  stattfinden,  die  sowohl  immer  wieder  Zufuhr  neuer  Nährstoffe,
  als  auch  die  Fortschaffung  der  verbrauchten  Rückstände,  die  ihre  Aufgabe
  geleistet  haben,  notwendig  machen.  Letzterem  Zweck  dient,  wie  wir
bereits  wissen,  der  Harnapparat,  ersterem,  der  Zu-  und  Abfuhr  neuer  Nährstoffe,
  der  Verdauungsapparat.

Er  besteht  aus  einem  Schlauche  von  verschiedener  Weite  und  Gestaltung,
innen  mit  einer  Schleimhaut  ausgestattet,  welche  reich  mit  kleinen  Drüsen
versehen  ist,  außen  mit  einer  Muskelschicht,  welche  die  Bewegungen  des  Verdauungsschlauches
  vermittelt;  außerdem  wird  er  von  mehreren  größeren  Drüsen
gespeist,  die  außerhalb  des  Schlauches  eingebettet  sind,  aber  mit  ihm  zusammenhängen.
  Das  sind,  von  oben  angefangen,  die  Speicheldrüsen  der  Mundhöhle,
die  Bauchspeicheldrüse  und  die  Leber,  welche  beide  in  der  Bauchhöhle  liegen
und  ihren  Drüsensaft,  Bauchspeichel  und  Galle,  in  den  Darm  ergießen.  Der
Verdauungsschlauch  beginnt  in  der  Mundhöhle,  welche  zur  Vorbereitung
der  Nahrung  mit  der  Zunge,  den  Zähnen,  den  Geschmacksnerven  und  der
Schlundmuskulatur,  sowie  den  beiderseitigen  Speicheldrüsen  ausgerüstet  ist.
Der  menschliche  Speichel  enthält  einen  Stoff,  welcher  die  aufgenommene
Stärke  unserer  Nahrungsmittel  in  Dextrin,  eine  Vorstufe  des  Zuckers,  umwandelt
  und  diese  den  Aufgaben  des  Magens  dadurch  zugänglicher  macht.

Wer  einen  schlecht  zusammengestellten  Speichel  besitzt,  verträgt  mehlhaltige
  Nahrung  nicht,  weil  das  mit  den  aufgenommenen  Speisen  durch  die
Mund=  und  Magenfeuchtigkeit  aufgequollene  Stärkemehl  nicht  vollständig  in
Zucker  umgewandelt  wird,  also  unverdaut  bleibt  und  in  diesem  Zustande  auch
niemals  ins  Blut  gelangen  kann.

Die  Aufgabe  der  Mundhöhle  ist  es  ferner  auch  noch,  die  Nahrung  zu
zerkleinern  und  harte  Teile  zu  zermahlen,  dann  die  in  solcher  Weise  vorbereiteten
  Massen  durch  Speichel  und  Schleim  schlüpfrig  zu  machen,  damit
sie  ihren  Weg  durch  die  Speiseröhre  in  den  Magen  leichter  zurücklegen.  Dazu
haben  wir  die  Schneide=  und  Mahlzähne  und  die  bei  jedem  Nervenreiz,  der
auf  die  Schleimhaut  des  Mundes  einwirkt,  sich  reichlich  einstellende  Mundflüssigkeit.
  Wer  hastig  ißt,  große  Bissen  verschluckt,  wird  die  aufgenommene
Nahrung  nie  vollständig  ausnützen,  denn  die  vom  Speichel  nicht  durchdrungenen
  Bissen  werden  nicht  vollständig  verdaut,  belasten  bloß  Magen  und
Darm  und  gehen  schließlich  nutzlos  ab.