Sinnesorgane.  35

Zuerst  müssen  die  Lichtstrahlen  die  Hornhaut  durchbrechen,  deren  Klarheit
  und  Fehlerlosigkeit  zum  Sehen  unerläßlich  ist,  dann  werden  sie  von  der
sogenannten  Linse  gesammelt,  d.  h.  so  geleitet,  daß  sie  sich  in  einem  Punkte
treffen,  und  schließlich  müssen  sie  noch  den  Glaskörper  durchdringen,  um  auf
den  Sehnerv  zu  fallen.  Um  die  Aufgaben  der  Hornhaut,  der  Linse  usw.
wirklich  zu  verstehen,  muß  man  die  Physik  und  speziell  Optik  beherrschen;
oberflächliche  Erklärungen  sind  hier  also  nutzlos,  und  wir  beschränken  uns
daher  auf  das  nötigste.

Die  Beweglichkeit  des  Augapfels  wird  erzielt  durch  Muskelchen,  welche  in
verschiedener  Richtung  dem  Auge  anliegen  und  es  mit  der  Augenhöhle  verbinden
(siehe  Fig.  21).  Sie  werden
  nicht  vom  Augennerr
versorgt,  können  also  teilweise
  gelähmt  sein,  ohne
daß  die  Sehfähigkeit  darunter
  leidet.  Das  Augenlid
  mit  seinen  Drüsen  und
Wimpern  ist  nur  eine  Schutzvorrichtung
  für  das  Auge,
welche  wir  nicht  entbehren
können.

Die  Regenbogenhaut
(Iris),  ihrer  verschiedenen
Färbung  wegen  so  genannt,
vermag  sich  zu  erweitern  und
zu  verengen,  kann  daher  auch
das  Sehloch  vergrößern

und  verkleinern;  auch  ist

«  «  ich-=  Das  Fettpolster  ist  entfernt.  Die  vier  geraden  Augensie
  eine  Art  Schutzvorrich  muskeln  sind  an  ihren  Ansatzstellen  am  Augapfel  lab--tung

  für  das  Auge,  weil  geschnitten.  os  Sehne  des  oberen  23307  Augen-Die

  knöcherne  Angenhöhle  mit  dem  Augapfel  (rechts).

*#  «  i  muskels,  von  der  Rolle  I  zum  Augapfel  laufend.
sie  wie  ein  Lichtschirm  wirkt  oi  unterer  schräger  Augenmuskel.  D

und  überflüssige  Lichtstrahlen
  abzuhalten  vermag.

Das  Auge  mit  seinem  Glanz,  seiner  Farbe,  seiner  Beweglichkeit  und
seiner  Sehkraft  bis  in  die  Ferne  ist  ein  wunderbares  Kunstwerk,  dessen  Gesunderhaltung
  uns  wohl  als  eine  wichtige  Aufgabe  erscheinen  muß.

Da  Hornhaut,  Linse  und  Glaskörper  die  geraden  Lichtstrahlen  ablenken,
„brechen“,  so  nennt  man  diese  Teile  den  lichtbrechenden  Apparat  (im
Gegensatz  zum  lichtempfindlichen  der  Netzhaut,  welcher  die  Ausbreitungen
des  Sehnervs  enthält).  Unter  Brechfehlern  des  Auges  versteht  man  solche
Abweichungen  von  der  Norm,  durch  welche  ein  klares  Bild  auf  der  Netzhaut
nicht  entstehen  kann,  weil  infolge  mangelhafter  Lichtbrechung  die  Vereinigung

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