40  Geschlechtsorgane.

das  Werden  und  Wachsen  eines  neuen  Menschen  bewerkstelligt.  Die  Aufgabe
der  Fortpflanzung  fällt  demnach  vorwiegend  der  Frau  zu,  welche  darum  auch
die  „Mutter  des  Menschengeschlechts“  genannt  wird.

Die  äußeren  Geschlechtsorgane  bestehen  nur  aus  den  bedeckten  Offnungen
für  die  Harnröhre  und  die  Scheide  (den  beginnenden  „Genitalschlauch'“),  kleinen
Drüsen  und  Schwellkörpern  und  der  „Klitoris“  zur  Erregung  der  Geschlechtsempfindungen.
  Die  mehr  oder  minder  fettreichen  Hautfalten  zu  beiden  Seiten
der  genannten  Offnungen,  sowie  die  kleineren  fettarmen  Hantfalten,  welche  die
Eingänge  unmittelbar  bedecken  und  welche  „große  und  kleine  Schamlippen“
genannt  werden,  sind  mehr  Schutzorgane,  besondere  Funktionen  haben  sie  nicht.

So  sehr  diese  weiblichen  Teile  von  den  männlichen  abzuweichen  scheinen,
so  haben  sie  dennoch  dieselben  Grundlagen,  aus  welchen  sie  sich  entwickelten,  und
bestehen  auch  nur  aus  Gebilden,  die  beim  Manne  gleichfalls  zu  finden  sind,
wenn  auch  mehr  oder  weniger  entwickelt  und  infolgedessen  teilweise  anders
gelagert.  So  hat  die  männliche  Harnröhre,  die  gleichzeitig  Ausführungskanal
für  den  Samen  ist,  ihr  weibliches  Analogon  in  der  Klitoris,  welche  bei  einzelnen
  Frauen  so  vergrößert  ist,  daß  sie  dem  männlichen  Gliede  ähnlich  wird;
die  großen  Schamlippen  sind  beim  Manne  zum  Hodensack  geworden,  in  welchem
er  seine  Keimdrüsen,  die  Hoden,  trägt,  während  die  Frau  die  Eierstöcke,  das
sind  die  weiblichen  Keimdrüsen,  im  Becken  verwahrt,  und  zwar  rechts  und
links  von  der  Gebärmutter.

Die  gleiche  Anlage  der  Geschlechter  geht  aus  nebenstehender  Zeichnung
hervor,  und  bei  Betrachtung  der  einzelnen  Teile  erkennen  wir  auch  die  Ahnlichkeit
  der  männlichen  und  weiblichen  Geschlechtsteile.

Die  „Spitze  des  Genitalhöckers“  wird  zum  Penis  bei  weiterer  Entwickelung,
  und  bei  Stillstand  zur  Klitoris;  der  Genitalwulst  wird  entweder
zum  Hodensack  oder  zu  den  großen  Schamlippen;  die  Genitalrinne  wird
zur  Naht  beim  Manne  und  zur  Schamspalte  beim  Weibe,  welche  die
genannten  Offnungen  enthält;  das  Kandalende  (Schwanzende)  bildet  sich
zurück  und  läßt  allmählich  die  Darmöffnung  erkennen,  wobei  die  Dammregion
  sich  schon  deutlich  abhebt.  Letztere  ist  beim  Manne  größer  als  beim
Weibe,  weil  seine  Genitalöffnung  erst  am  Penisende  sich  befindet  und  nicht
innerhalb  der  „Naht“  wie  beim  Weibe.  Die  Länge  und  Festigkeit  des  Dammes,
auch  „Mittelfleisch"  genannt,  weil  zwischen  After  und  Scheide  als  Zwischenwand
  eingeschoben,  spielt  beim  Geburtsvorgang  eine  bedeutende  Rolle;  im
II.  Teile  des  Buches  kommen  wir  noch  darauf  zurück.

Unsere  drei  Zeichnungen  führen  uns  das  hintere  Körperende  einer  Leibesfrucht
  im  Alter  von  zwei  bis  vier  Monaten  vor  und  verdeutlichen  uns  diese
interessanten  Vorgänge.

Das  volle  Verständnis  für  die  genitalen  Verhältnisse  kann  sich  erst  auf
Grund  der  Vergleichung  beider  Geschlechter  entwickeln;  die  selbständige  Behandlung
  eines  Geschlechtes  ist  daher  eine  Losreißung  vom  Ganzen,  welche