Geschlechtsorgane.  41

entwicklungsgeschichtlich  unmöglich  ist  und  notwendig  zu  falschen  Schlüssen  führen
muß.  Sie  trägt  bei  zur  Vertiefung  der  geistigen  Kluft,  die  leider  zwischen
den  Geschlechtern  besteht  und  zu  Vorstellungen  über  eine  physiologische
Minderwertigkeit  des  Weibes  führt,  die  sich  jedoch  mit  den  tatsächlichen  Verhältnissen
  gar  nicht  deckt.

Unser  anatomisch-physiologisches  Kapitel  über  die  weiblichen  Geschlechtsorgane
  hat  die  Aufgabe,  aufklärend  in  dieser  Hinsicht  zu  wirken.

Die  äußeren  Genitalien  des  Weibes,  die  sogenannte  Scham,  von
Nerven  aus  dem  Rückenmark  versorgt,  ist  der  Sitz  der  Geschlechtsempfindung.
Der  bedeutendste  Nerv  ist  derjenige,  welcher  zur  Klitoris  führt  und  beim  Manne
analog,  nur  mit  dem  Unterschiede,  daß  er  der  längeren  Harnröhre  angepaßt,  auch

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Fig.  25.  Hinteres  Körperende  einer  Leibesfrucht.

a  Zwei  Monate  alte  Leibesfrucht:  1  Nabelstrang.  2  Genitalhöcker,  wird  zur  Klitoris
beim  Weibe,  zur  Penisspitze  beim  Manne.  3  Genitalwulst,  aus  welchem  sich  die
großen  Schamlippen  oder  der  Hodensack  entwickeln.  4  Genitalrinne,  schließt  sich  beim
Manne  zur  „Naht“,  enthält  beim  Weibe  die  Offnungen  der  Harnröhre  und  der
Scheide.  5  Schwanzende  des  Rumpfes,  bildet  sich  bei  zunehmendem  Wachstum  immer
mehr  zurück.  6  Schenkel.

b  Drei  Monate  alt:  7  die  Darmöffnung  hat  sich  gebildet,  das  Schwanzende  verliert
seine  Rundung.  Weiblicher  Typus,  Klitoris  bildet  sich  zurück.

c  Vier  Monate  alt:  Der  männliche  Typus  hat  sich  ausgebildet.  8  die  „Naht“  an
Stelle  der  Spalte  ist  deutlich  sichtbar.

länger  ist.  Ein  zweiter  Rückenmarksnerv  verläuft  beim  Manne  mit  dem  Samenstrang
  in  den  Hodensack  und  endet  beim  Weibe  in  den  großen  Schamlippen.

Dieser  Zusammenhang  der  äußeren  Genitalien  mit  dem  Rückenmark
und  durch  dieses  mit  dem  Gehirn  erklärt  uns  das  geistige  „Angegriffensein“
nach  sexuellen  Anstrengungen  oder  die  Erregbarkeit  der  Genitalien  auf  geistigem
Wege,  also  durch  Vorstellungen  und  Gedanken.  Bei  vielen  Frauen  fehlt
diese  Erregbarkeit  überhaupt,  es  liegt  dann  entweder  eine  Störung  in  den
nervösen  Bahnen,  wahrscheinlich  aber  öfster  im  Bewußtseinsorgane,  dem
Gehirn,  vor.  Bildungsfehler  in  den  Genitalien  sind  nur  äußerst  selten  die
Ursachen  sexueller  Empfindungslosigkeit.

Wir  gelangen  nun  an  die  Besprechung  der  inneren  Genitalien.

Sie  bestehen  aus  den  Eierstöcken,  den  Eileitern,  dem  Fruchthalter  (oder
der  Gebärmutter)  und  der  Scheide.  Die  Eierstöcke,  die  weiblichen  Keimdrüsen,
  sind  bohnenförmige  kleine  Körper,  auf  deren  Oberfläche  die  Eizellen