Geschlechtsorgane.  43

und  Dickdarm  und  ist  in  normalem  Zustande  etwas  nach  vorne  geneigt.  Je
nach  dem  Füllungsgrad  der  vor  dem  Uterus  liegenden  Blase  oder  der  Lagerung
und  dem  Inhalt  der  Eingeweideschlingen  verändert  sich  seine  Lage  vorübergehend.
Er  ist  mit  einem  dichten  Netz  von  Blutgefäßen  durchzogen,  daher  bei  starkem
Blutandrang  sehr  oft  mit  Blut  überfüllt.  Von  Stauungen  in  der  Beckenhöhle
wird  er  bei  deren  längerer  Dauer  auch  mitbetroffen,  ebenso  sind  die  Nervennetze
  in  seiner  Umgebung  von  Einfluß  auf  ihn  und  seine  Nachbarorgane.
Die  nachfolgende  Abbildung  (Fig.  27)  zeigt  uns  das  Nebeneinander
der  Beckenorgane  am  besten  und  vor  allem  die  normale  Lage  der  gesunden
Gebärmutter.

Auf  die  Entstehung
der  inneren  Organe  übergehend,
  haben  wir  vor
allem  zu  begründen,  daß
Hoden  und  Eierstöcke  die
gleiche  Entstehung  haben
und  ihrer  Bedeutung
wegen  Keimdrüsen  genannt
  werden,  weil  sie
die  „Keime“  zu  neuem
Leben  liefern,  die  Eiund
  die  Samenzellen.
Beim  Weibe  bleiben  die
Keimdrüsen  im  Becken,
etwa  dort,  wo  sie  ursprünglich

  entstanden
waren,  beim  Manne  aber

sinken  sie  tiefer  und  treten
  sogar  nach  außen,
wo  sie  von  einem  häutigen
  Sack,  dem  Hodensack,
  aufgenommen  werden.
  Der  Samenleiter
führt  aber  ins  Becken

Fig.  27.  Sagittalschnitt  durch  das  Becken  einer  gefrorenen
weiblichen  Leiche.  1  Kreuzbein.  2  Steißbein.  3  Schambeinfuge.
  4  Außerer  Schließmuskel  des  Afters.  5  Gegend
einer  Muskelverstärkung,  welche  dritter  Schließmuskel  genannt
  wird.  6  übergang  des  römischen  8  in  den  Mastdarm.
  7  Wie  .  8  Gebärmuttergrund.  9  Gebärmutterhals.
10  Hintere  Muttermundslippe.  11  Vordere  Muttermundslippe.
  12  Scheide.  13  Scheideneingang.  14  Kleine  Schamlippe.
  15  Große  Schamlippe.  16  Kitzler.  17  Harnublase.
18  Harnröhre.

zurück.

Aus  den  „Gängen“,  die  neben  der  „Urniere“  im  Indifferenzzustand
der  inneren  Genitalien,  d.  h.  vor  Ausbildung  eines  Geschlechtscharakters,
sich  vorfinden  und  die  der  Wolffsche  und  Müllers  che  benannt  wurden,
wird  aus  dem  Müllerschen  beim  Weibe  der  Eileiter,  beim  Manne  aus
dem  Wolffschen  der  Samenleiter,  und  die  Stelle  ihrer  Vereinigung  wächst
beim  Weibe  zum  Uterus  aus,  während  der  Mann  ein  kleines  Gebilde  an
derselben  Stelle  bewahrt,  welches  man  den  „männlichen  Uterus“  getauft  hat