50  Ernährung.

Wasser  ist  nächst  der  Luft  für  die  Erhaltung  des  tierischen  Organismus
der  wichtigste  Stoff;  der  menschliche  Körper  besteht  auch  aus  etwa  70%  Wasser.
Durch  die  Haut,  die  Lungen,  die  Nieren  wird  beständig  Wasser  abgegeben.
Es  dient  dazu,  nicht  nur  die  zugeführten  Nährstoffe  zum  Teil  aufzulösen,
sondern  im  bewegten  Flusse,  der  teils  auf  chemische,  teils  auf  mechanische
Einflüsse  zurückgefürt  wird,  diese  aufgelösten  Stoffe  nach  allen  Teilen  des
Körpers  zu  verbreiten.  Eine  Verarmung  der  Gewebe  an  wasserreichem  Blute,
eine  Verdickung  des  letzteren  und  Verlangsamung  seines  Flusses  ist  daher
gleichbedeutend  mit  mangelhafter  Ernährung  aller  Organe  des  menschlichen
Körpers  und  Verarmung  der  Gewebe  an  Säften.  Daher  ist  der  Wassermangel,
  langes  Dursten,  unerträglich  und  das  rasche  Erliegen  nach  längerem
Dursten  erklärlich.

Ebenso  aber,  wie  uns  ein  gewisses  Quantum  Wasser  täglich  unentbehrlich
  ist,  belastet  uns  ein  zu  großes,  das  mit  der  Menge  des  ausgeschiedenen
in  keinem  Verhältnis  steht.  Es  verdünnt  den  Mageninhalt  zu  sehr,  verwässert
das  Blut  und  strengt  die  Ausscheidungsorgane,  Niere  und  Blase,  allzuviel
an.  Man  denke  nur  an  die  abgegebenen  Harnmengen  eines  Biertrinkers.
Sie  erscheinen  unglaublich,  wenn  man  vorher  nicht  gesehen  hat,  wie  viele
Gläser  Bier  an  einem  Abend  von  ihm  hinuntergegossen  wurden.  Da  das
Trinken  ohne  Durst,  aber  mit  Gaumenreiz  verbunden,  in  den  zirilisierten
Ländern  so  allgemein  geworden  ist,  so  ist  es  selbstredend  auch  Ursache  zahlreicher
  gesundheitlicher  Störungen  geworden  und  hat  schließlich  sogar  eine
eigene  Kurmethode  erzeugt:  die  sogenannte  Trockendiät.

Ein  schlechtes  Zeugnis  für  die  übliche  Ernährungsweise!

Man  wartet  ersi,  bis  man  krank  geworden  ist,  und  dann  beginnt  man
mit  Reformen,  die  ganz  zu  ersparen  gewesen  wären,  wenn  man  von  Anfang
an  von  natürlichen,  einfachen  Verhältnissen  nicht  abgewichen  wäre.  Weil  die
meisten  menschlichen  Nahrungsmittel  großenteils  aus  Wasser  bestehen  (Fleisch
z.  B.  gegen  70  %1),  bedarf  man  tatsächlich  bei  ruhiger  Lebensweise  nicht
großer  Wasserzufuhr,  ja  bei  reichlicher  Obstnahrung  braucht  man  überhaupt
nur  ganz  selten  zu  trinken.  Der  wasserarme,  aber  an  festen  Bestandteilen
reichere  Organismus  ist  viel  widerstandsfähiger  und  leistet  mehr  als  der  von
Wasser  überschwemmte  und  aufgedunsene.  Ein  großer  Teil  der  „Gutgenährten“
gehört  leider  den  Letztgenannten  an.  Der  hagere,  sehnige,  wenig  trinkende
Mensch  wird  daher  stets  der  kräftigere  und  gesündere  sein.

Beschränkung  der  Flüssigkeitsmengen,  Vermeidung  der  durstreizenden
Speisen  und  Gewürze  (Kochsalz  vor  allem)  werden  uns  ein  gesundes  Durstgefühl
  wiederfinden  lassen,  das  auch  nur  durch  gutes  Wasser  ganz  befriedigt
wird  und  das  bedentend  zu  unserer  Gesundheit  beiträgt.

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