Ernährung.  53

Nahrung  aus  dem  Pflanzenreich  entnimmt,  so  ist  die  nächste  Folge  auch  seine
allmähliche  Verarmung  an  mineralischen  Bestandteilen.  Kommen  hiezu  noch
die  Mißbräuche  in  den  Küchen,  wo  durch  Abbrühen  und  Auskochen  oft  die
wertvollsten  Bestandteile  verloren  gehen,  so  wird  es  jedem  begreiflich  erscheinen,
  wenn  wir  sagen,  der  heutige  Kulturmensch  erhält  trotz  vielfach
gemischter  und  reichlicher  Nahrung  oft  nicht  die  genügenden  Nährstoffmengen.
Bodenreform  und  Küchenreform  sind  daher  die  neuen  Louchtsterne,
die  uns  allmählich  wieder  bessere  Wege  zu  schaffen  versprechen.  Die  Neigung
zu  Krankheiten  wird  sich  vermindern,  die  Widerstandskraft  der  Gewebe  sich
erhöhen  in  dem  Maße,  als  ihr  Gehalt  an  Mineralien,  durch  gesunde  Pflanzen
zugeführt,  zunimmt  (siehe  Nährsalzkuren).

Die  Pflanze  schöpft  ihre  Baustoffe  direkt  aus  dem  Boden  und  der  Luft,
der  Vorgang  ihrer  Ernährung  und  ihres  Wachstums  ist  ein  viel  einfacherer.
Ihre  Baustoffe  sind  Wasser  und  Mineralien  aus  dem  Boden,  Sauerstoff,
Stickstoff  und  Kohlensäure  aus  der  Luft.  Die  Sonne  mit  ihrem  Licht  und  ihrer
Wärme  bewirkt  ihr  Wachstum,  ihren  Säftestrom.  Daher  kein  Gedeihen  der
Pflanzenwelt  ohne  der  Sonne  Zauberstrahl,  der  aus  toten  Massen  neues  Leben
schafft.  Wir  sehen  auch  bei  der  Pflanze  ein  Wachstum  unter  bestimmten
Bedingungen,  eine  Fortpflanzung  in  Form  der  Samenbildung  und  einen
„Stoffwechsel“,  indem  die  Pflanze  gleich  dem  Tiere  Nähr=  und  Banstoffe
aufnimmt,  einen  Teil  derselben  zu  ihrem  weiteren  Ausbau  in  sich  aufspeichert
(Salze,  Stärke,  Wasser),  einen  anderen  Teil  aber  in  Form  von  Kohlensäure
und  Sauerstoff  ausatmet.  Die  Pflanzenzelle  ist  wie  die  tierische  Zelle  ein
abgeschlossenes  Ganzes  und  besteht  aus  einer  Hülle,  einem  Zellinhalt  und
einem  Zellkern.  Wenn  wir  vom  Menschen  zum  Tier,  von  diesem  zur  Pflanze
und  von  der  Pflanze  in  die  leblose  Welt,  der  sogenannten  anorganischen,
übergehen,  so  finden  wir  immer  einfachere  Verhältnisse,  immer  weniger  komplizierte
  chemische  Verbindungen  und  folglich  auch  neue  Körper  in  der  tierischen
Welt,  die  sich  in  der  anorganischen  nicht  finden.  überall  aber  sind  dieselben
Grundstoffe  vorhanden:  Sauerstoff,  Stickstoff,  Kohlenstoff,  Wasserstoff  mit
der  großen  Gruppe  der  Mineralien,  Eisen,  Schwefel,  Phosphor,  Kallk,
Natron,  Magnesia  usw.  Taucht  man  in  die  Wunder  der  Chemie  ein,  so
sieht  man  mit  Erstaunen,  daß  oft  die  verschiedensten  Körper  (man  denke
z.  B.  an  weißes  Mehl  und  flüssiges  Ol!)  nur  aus  gleichen  Grundstoffen
bestehen,  und  zwar  in  diesem  Fall  aus  C.  H.  O.,  d.  i.  Kohlenstoff,  Wasserstoff
  und  Sauerstoff,  und  daß  die  Verschiedenheit  ihrer  Eigenschaften  durch
Mengenverhältnisse  hervorgebracht  wird,  sowie  durch  eigentümliche  Gruppierung
ihrer  Moleküle,  indem  z.  B.  zwei  Teile  Wasserstoff  auf  einen  Teil  Sauerstoff
  unser  „Wasser“  geben,  und  sechs  Teile  Kohlenstoss  auf  zehn  Teile  Wasserstoff
  und  fünf  Teile  Sauerstoff  „Stärke“  (Mehl)  bilden.

Nach  diesen  kurzen  Andentungen  können  sich  die  Leserinnen  ein  Bild  von
der  Einheitlichkeit  der  Naturkörper  trotz  ihrer  großen  Vielartigkeit  machen.