Ernährung.  55

hat  also  auch  einen  viel  umfangreicheren  Stoffwechsel.  Die  Pflanze  ist  kalt,
das  höher  entwickelte  Tier  aber  ist  warm.

Diese  seine  Wärme  entsteht  durch  chemische  Vorgänge,  durch  Verbindungen
mit  Sauerstoff,  welche  man  Verbrennung  nennt,  bei  welchem  Vorgang
Wärme  frei  wird.  Nur  gewisse  Körper  eignen  sich  besonders  zu  solcher  Verbindung
  mit  Sauerstoff,  wie  alle  kohlenstoffhaltigen,  man  nennt  sie  deshalb
auch  Brennstoffe.  Auch  außerhalb  des  tierischen  Organismus  besteht  die  Verbrennung
  in  Verbindung  mit  Sauerstoff  unter  Entstehung  von  Kohlensäure
und  Asche  (unverbrennliche  Reste).  Gewisse  Stoffwechselprodukte  im  Organismus,
  die  teils  durch  die  Verbrennung,  teils  durch  die  Verdauung  entstehen
und  ausgestoßen  werden,  nennt  man  deshalb  auch  „Schlacken“  oder  „Asche“.
Da  Stärke,  Zucker,  Fette  viel  Kohlenstoff  enthalten,  stellen  sie  unsere  Heizstoffe,
  unsere  Wärmebildner  dar,  die  in  unserer  Nahrung  niemals  fehlen
dürfen,  während  wir  vom  Eiweiß  verhältnuismäßig  wenig  zur  Erhaltung
unseres  Bestandes  bedürfen.  Vermöge  seiner  Verdauungssäfte  wandelt  der
Mensch  die  aufgenommene  Stärke  in  Zucker  um  und  verbrennt  diesen  im
gelösten  Zustand  in  seinen  Geweben.  Unveränderte  Stärke  geht  unbenutzt
durch  den  Darmkanal  wieder  ab,  es  liegt  demnach  eine  Arbeitsersparnis  für
den  Organismus  darin,  wenn  er  den  nötigen  Zucker  sofort  aus  süßen
Früchten  entnimmt.  Das  Fett  erzengt  bei  seiner  Verbrennung  ungleich
mehr  Wärme  als  Stärke,  es  ist  also  ein  Sparmittel,  seine  sättigenden
Eigenschaften  aber  und  seine  sogenannte  Schwerverdaulichkeit  machen  es  meist
ungeeignet,  vollständig  als  Ersatzmittel  für  Stärke  zu  wirken.

Das  Eiweiß  wird  als  Baustoff  betrachtet;  man  nimmt  an,  daß  täglich
eine  große  Anzahl  von  Zellen  zerfällt,  die  Stickstoff  freigeben,  der  als  Harnstoff
  ausgeschieden  wird,  und  daß  die  hauptsächlich  aus  Eiweiß  bestehenden
Zellen  durch  die  Eiweißzufuhr  der  Nahrung  wieder  ersetzt  werden  müssen.
Eine  andere  Theorie  lehrt,  daß  das  Organeiweiß  des  ausgewachsenen
Körpers,  d.  i.  also  jenes,  welches  seine  Gewebe  bildet,  überhaupt  nicht  verändert,
  vermehrt  oder  vermindert  werden  könne,  da  es  einen  unverrückbaren
Bestand  bilde.  Das  aus  der  Nahrung  aufsgenommene  Eiweiß  bilde  bloß  das
Bluteiweiß,  befinde  sich  beständig  im  Blutstrom  und  werde  in  seiner  Menge
bedeutend  verändert.  Es  diene  der  Verbrennung  nur  dann,  wenn  an  Kohlenhydraten
  Mangel  herrsche,  und  sein  überschuß  führe  zu  Fettablagerung  im
Körper  und  vermehrter  Ausscheidung  von  Harnsalzen,  welche  die  Nieren  reizen.
Eine  tägliche  Abnutzung  der  Gewebe  geben  die  Physiologen  alle  zu,  doch
macht  diese  keine  solche  Eiweißzufuhr  nötig,  wie  sie  die  heute  übliche  Ernährungsweise
  für  unentbehrlich  erklärt.  Ein  Heer  von  Krankheiten  ist  diesem  verhäugnisvollen
  Irrtum  zuzuschreiben.

Im  Hungerzustande  wird  zuerst  das  eigene  Fett,  das  nur  locker  gebunden
  ist,  verbrannt,  dann  erst  wird  das  flüssige  Bluteiweiß  zur  Wärmebildung
  verwendet.  Das  Organeiweiß  bleibt  erhalten,  wie  mehrfache  Unter-