60  Nahrungsmittel.

Tiere  unsere  Sprache,  so  würden  sie  sich  nicht  nur  laut  über  die  Gransamkeit
beklagen,  die  wir  ihnen  gewissenlos  zufügen,  sondern  sie  würden  uns  auch
eine  ganze  Menge  körperlicher  Beschwerden  mitteilen,  die  wir  nur  deshalb
beim  Tiere  nicht  kennen,  weil  wir  seine  Außerungen
zu  wenig  verstehen.  Die  häufigste  Krankheit,  auf
den  Menschen  übertragbar,  ist  die  Tuberkulose.
  Fig.  31  zeigt  uns  ein  mit  tuberkulösen
Knoten  besetztes  Brustfell.  Längst  können  solche
tuberkulösen  Herde  vorhanden  und  die  Körpersäfte
  des  Tieres  krank,  sein  Aussehen  aber  noch
leidlich  normal,  sein  Muskelfleisch  rot  und  gesund
sein.  Man  beseitigt  die  erkrankten  Teile  und
verkauft  das  gut  aussehende  Fleisch.  Sicher  übt
das  Abkochen  oder  Braten  aller  Fleischsorten  durch
den  Einfluß  hoher  Wärmegrade  und  die  damit  verbundenen
  Veränderungen  einen  gewissen  Schutz  aus,
..»j·  ohne  welchen  man  noch  viel  mehr  Erkrankungen
Fig.  32.  Finnen  zwischen  den  nach  Fleischgenuß  zu  verzeichnen  hätte.  Es  sei  also
Minskellasern  des  Fleisches.  vor  dem  Genuß  rohen  Fleisches  noch  besonders
atürliche  Größe.  Nach  Uffelmann.  4  ,
gewarnt!  Es  ist  ja  auch  die  Ursache  der  Band—
wurm=  und  der  Trichinen  krankheit,  da  nächst  dem  Rinde  das  Schwein
den  meisten  Krankheiten  unterworfen  ist  und  auch  rohes  Schweinefleisch  nicht
selten  genossen  wird.
Die  Trichine  lebt  als  kleiner  Wurm  (siehe  Fig.  33)  im  Schwein  und
.  in  der  Ratte;  vom  Darm  des  Tieres  aus  wandert  die
Trichine  nach  allen  Teilen  des  Körpers,  setzt  sich  in
den  Muskeln  fest  und  kapselt  sich  dort  ein.  Bei  der
Fleischschau  wird  das  Schweinefleisch  mit  der  Lupe
untersucht,  damit  keine  trichinösen  Schinken  in  den
Handel  kommen.  Für  den  Menschen  besteht  die  Gefahr
darin,  daß  sich  im  sauren  Magensaft  die  Kapseln  auflösen
  und  vom  Magen  aus  die  freigewordenen  Würmchen
  nach  muskulösen  Körperteilen  auswandern,  dabei
heftige  Schmerzen  verursachen.  Der  Mensch  kann
jahrzehntelang  an  Muskelschmerzen  infolge  Trichinen
leiden.  Würden  die  Schweine  reiner  gehalten  werden,
so  kämen  sie  nicht  dazu,  trichinöse  Ratten  zu  verzehren,
und  würden  die  Rinder  naturgemäßer  gepflegt,  so
würden  sie  uns  auch  keine  tuberkulöse  Milch  geben.
Auch  die  Finne  befindet  sich  im  Schweine  und  Rinde,  Fig.  32.  In
einem  neuen  Wirt,  also  im  Darm  des  Menschen,  der  finniges  Fleisch
genossen  hat,  entwickelt  sich  der  Bandwurm  aus  ihr,  der  große  Beschwer-Jig

  33.  Trichinöses  Fleisch
in  nalürlicher  Größe.