62  Nahrungsmittel.

von  Fett  und  dient  uns  vorzüglich  bei  Verdauungskrankheiten.  Die  beliebteste
Milch  ist  die  des  Rindes,  die  aber  nicht  selten  Tuberkelbazillen  enthält,  wie
Fig.  36  zeigt,  wo  zwischen  den  Fettkügelchen  die  Bazillen  deutlich  zu  sehen  sind.
Die  Ziegenmilch  ist  ihres  eigentümlichen  Geschmackes  wegen  weniger
beliebt  als  die  Kuhmilch;  aber
die  Pflege  der  Ziege  ist  billiger,
auch  ist  sie  weniger  Krankheiten
unterworfen  als  das  Rind.  Eselsund
  Stutenmilch  werden  als
menschliches  Nahrungsmittel  weniger
  benützt,  haben  aber  auch
ihre  Vorzüge.  Erstere  hat  sich  besonders
  für  Säuglinge  bewährt,
welche  Kuhmilch  mit  dem  schweren
Kaseingehalt  (Käsestoff)  noch  nicht
vertragen.
Durch  das  übliche  Abkochen
der  Milch  werden  sowohl  jene

Fia.  35.  Dickmilch  m  gael  pilzartigen  kleinen  Lebewesen,
Fig.  35.  Dickmilch  mit  geronnenen  Kaseinmassen.  elche  die  Säuerung  der  Mil  ch

bewirken  und  durch  die  Luft  übertragen  werden,  als  auch  die  Tuberkelbazillen
vernichtet;  es  ist  also  ein  sicheres  Mittel,  die  Milch  von  fremden  Bestandteilen
  zu  reinigen,  doch  verliert  sie  bei  andanernder  Siedehitze  an  Wohlgeschmack,
  und  der  Käsestoff  wird
härter  und  schwerer  verdanlich.
Bei  Säuglingen  und  Kranken  wird
dies  oft  empfunden.  Die  Natur
bietet  uns  die  Milch  ungekocht
und  als  vollkommenes  Nahrungsmittel;
  benutzen  wir  nur  gesunde,
natürlichlebende  Milchtiere,  halten
  wir  Unreinlichkeiten  und  Luft
von  der  Milch  ab,  so  haben  wir
kein  Abkochen  notwendig.  Der
Milchgenuß  Erwachsener  hängt
jedoch  mit  dem  übermäßigen
Fleischgenuß  zusammen;  man  hat
fast  vergessen,  daß  Milch  nur
Nahrung  für  junge  Tiere  ist
und  daß  kein  erwachsenes  Säugetier  darnach  greift.  Demnach  ist  der  Widerwille
  einzelner  erwachsener  Personen  gegen  den  Milchgenuß  nicht  unerklärlich;
trotzdem  aber  mag  sie  für  Kinder,  Schwächliche  und  Kranke  ein  ausgezeichnetes

Jig.  36.  Tuberkelbazillen  in  der  Kuhmilch.