68  Nahrungsmittel.

Abfallstoffen  usw.  unter  Zusatz  gefährlicher  Chemikalien  u.  a.  nachzuprüfen,
wünschen  aber  im  Interesse  einer  guten  Volksernährung,  daß  alles  in  älteren
Auflagen  dieses  Werkes  darüber  Gesagte  auf  Täuschung  beruhen  möchte.  Wir
gestehen  gerne  zu,  daß  eine  geschickte  Verwertung  minderwertiger  Fette,  die
früher  großenteils  verloren  gingen,  einen  wirtschaftlichen  Fortschritt  bedeuten
und  wünschen  den  Margarinefabriken  weitere  Erfolge  auf  hygienischem  Gebiete.

Wenn  man  bedenkt,  daß  in  Deutschland  jährlich  über  zwei  Millionen
Zentner  künstlicher  Butter  hergestellt  werden,  so  wird  man  begreifen,  daß  es
nicht  gleichgültig  ist,  welche  Beschaffenheit  sie  hat  und  wie  sie  in  gesundheitlicher
  Hinsicht  wirkt.

Nach  St.  Hostato  (aus  dem  „Naturarzt")  soll  man  Butterfälschung  erkennen,
wenn  man  auf  eine  heiße  Kartoffel  ein  wenig  Butter  streicht  und  diese  verzehrt.
Hat  man  es  mit  unverfälschter  Milchbutter  zu  tun,  so  wird  man  nur  den  angenehmen
  Buttergeschmack  empfinden;  war  die  Butter  aber  mit  anderen  Stoffen
vermischt,  was  äußerlich  gar  nicht  bemerkbar  ist,  so  wird  sich  ein  eigentümlicher,
widerwärtiger,  der  Butter  ganz  unähnlicher  Geschmack  herausstellen,  wahrscheinlich
  deshalb,  weil  durch  die  Erwärmung  des  Fettes  auf  der  heißen  Kartoffel
duftende  Bestandteile  frei  werden,  welche  keineswegs  ongenehmer  Natur  sind.

Suchen  Hausfrauen  ein  billigeres,  aber  gutes  Kochfett,  so  mögen  sie  sich
an  die  Kokosnußbuttier  und  verschiedene  Ole  halten.  Es  ist  sehr  zu  beklagen,
daß  in  Deutschland  das  Kochen  mit  Ol  mit  so  viel  Schen  betrachtet  wird.
Im  Süden  wird  alles  in  Ol  gebraten,  in  Österreich  sehr  viel  mit  Schweinefett
zubereitet;  in  Deutschland  nur  glaubt  man,  ohne  Kuhbutter  nicht  auskommen
zu  können.  Dieser  Umstand  allein  schon  öffnet  Verfälschungen  Türe  und  Tor,
denn  wo  sollte  man  solche  Mengen  Milchfett  hernehmen,  um  den  Bedarf
mit  unverfälschter  Butter  zu  befriedigen?!  Die  Einführung  des  Erdnuß=  und
Olivenöles  als  Kochfett  würde  allen  Unannehmlichkeiten  vorbeugen.

Unter  den  Pflanzenfetten  sind  Leinöl,  Erdnuß=  und  Olivenöl  die
bekanntesten.  Zum  Backen  eignet  sich  solches  Ol  vorzüglich,  es  hat  aber
auch  noch  andere  Vorzüge.  Es  ist  ausgiebiger,  wird  nicht  so  leicht  ranzig
wie  tierisches  Fett  und  ist  frei  von  unangenehmen  oder  gesundheitsschädlichen
Bestandteilen,  da  es,  frisch  der  Pflanze  entnommen,  nichts  von  giftigen  Stoffwechselprodukten
  oder  Leichenteilen  enthält.  Leider  stehen  die  feineren  Olarten,
  die  südlichen  Gegenden  entstammen,  so  hoch  im  Preise,  daß  sie  beschränkteren
  Haushaltungen  kaum  zugänglich  sind.  Auch  erhält  man  selten
reine  Ole;  was  bei  uns  in  den  Läden  als  billiges  „Salatöl“  verkauft  wird
oder  wohl  auch  einmal  „Olivenöl“  getauft  ist,  ist  meist  eine  Mischung  schlechter
und  billiger  Sorten  ganz  verschiedener  Ole  und  demgemäß  oft  von  erbärmlichem
  Geschmack.

Das  zuträglichste  und  feinste  Ol  für  Küchenzwecke  ist  reines,  ungemischtes
Olivenöl.  In  größeren  Mengen  und  nur  von  Großhändlern  bezogen
wird  es  billiger  und  ist  es  zuverlässiger.