70  Nahrungsmittel.

Man  gibt  weniger  Wärme  nach  außen  ab,  hat  es  also  auch  nicht  in  gleichem
Maße  wie  im  Winter  nötig,  die  verlorene  Wärme  zu  ersetzen.

Daraus  geht  hervor,  daß  man  zu  verschiedenen  Zeiten  auch  verschiedene
Mengen  von  Mehl=  und  Zuckerstoffen  braucht,  und  zwar  richten  sich  diese  1.  nach
der  geleisteten  Muskelarbeit,  2.  nach  der  Außentemperatur,  3.  nach  dem  Alter.

Je  mehr  schwere  Arbeit  wir  leisten,  desto  mehr  Kohlensäure  und
Wasserdampf  wird  gebildet,  es  wird  also  um  so  mehr  Zucker  verbrannt
und  Wärme  erzeugt.  Ein  in  geschlossener  Luft  stundenlang  vor  seinem  Pulte
sitzender  Bureauarbeiter  wird  demnach
  niemals  solche  Massen  von
Brot,  Kartoffeln  und  ähnlichem  bewältigen
  können,  wie  ein  auf  freiem
Felde  im  Schweiße  seines  Angesichtes
  schwer  arbeitender  Ackerbauer.
  Bei  kräftigem  Stoffwechsel
und  reichlichem  Sauerstoffgenuß  erzeugt
  er  durch  seine  Muskelarbeit
viel  mehr  Kohlensäure  und  Wasser
als  dieser,  der  bei  flacher  Atmung,
trockener,  staubiger,  sauerstoffarmer
Luft,  kühler  Haut  und  zusammengedrücktem
  Unterleib  wenig  Zucker
verbrennt  und  bei  zu  reichlicher
Einfuhr  von  Mehlstoffen  allmählich
erkrankt.

Das  Alter  ist  hinsichtlich  Wachstums
  oder  abnehmender  Lebens-«
  —  —  —  iiätigkeit  von  Bedeutung  für  die
Fig.  38.  Sfärkelörner  verschiedener  Mcehlfrüchte.  Mehlnahrung.  Je  mehr  der  Mensch
brobert.  wächst,  also  Knochen-  und  andere
Gewebe  bildet,  je  lebendiger  sein  Stoffwechsel  und  seine  Bewegungen
sind,  wie  bei  der  gesunden  Jugend  im  allgemeinen,  desto  leichter  verdaut
er  auch  und  verbraucht  er  die  zugeführten  Mehlstoffe;  je  älter  er  dagegen
wird,  je  mehr  sich  sein  Stoffwechsel  verlangsamt,  seine  Beweglichkeit  ver—
mindert,  desto  schwerer  vermag  er  größere  Mengen  mehlreicher  Nahrung
zu  bewältigen.  Der  Geschmack  alter  Leute  ändert  sich  daher  je  nach  ihren
Kräften  und  ihrer  Lebensweise,  und  wir  ersehen  daraus,  daß  es  ganz  verkehrt
  ist,  auf  den  Geschmack  keine  Rücksicht  nehmen  zu  wollen.  Er  deckt  sich
fast  immer  mit  den  körperlichen  Zuständen  und  ist  bei  Kranken  oder  Schwächlingen
  sogar  eingehend  zu  studieren.

Damit  die  Mehlstoffe  aber  vollkommen  in  Zucker  umgewandelt  werden

können,  ist  es  nötig,  daß  sie  in  der  Mundhöhle  gründlich  eingespeichelt  und

Kar