Nahrungsmittel.  77

sondern  weil  der  heutige  Kulturmensch  ein  geschwächtes,  herabgekommenes
Geschöpf  ist,  darum  braucht  er  so  viel  künstliche  Einrichtungen,  wie  Mühlen,
Bäckereien,  geübte  Köche  usw.,  um  sich  am  Leben  erhalten  zu  können.  Dies
muß  man  wohl  unterscheiden.  Leider  wird  auch  manches  Gebäck  als  „Schrotbrot“
  in  den  Handel  gebracht,  das  sowohl  aus  minderwertigen  und  gemischten
Mehlen  besteht,  als  auch  Steinstaub  aus  der  Mühle  enthält,  oder  mit  großem
Unverständnis  zubereitet  ist.  Es  ist  dann  naß,  schwer,  schmeckt  schlecht  und  macht
Beschwerden.  Man  betrachte  sich  vorher  genau,  was  man  als  „Schrotbrot"
genießen  will.

Wer  auch  das  beste  nicht  ertragen  kann,  der  halte  sich  lieber  an  Schrotmehltrank
  (im  Wasser  aufgekochtes  Schrotmehl,  eventl.  mit  Salz=  und  Butterzusatz);
  er  wird  dann  die  günstige  Wirkung  des  Schrotmehls  an  sich  erfahren,
ohne  die  unangenehmen  Zugaben  des  Brotes  zu  empfinden.

Wer  sich  gutes  Schrotbrot  selbst  bereiten  will,  verfahre  folgendermaßen:
In  der  nächsten  Mühle  läßt  man  etwa  20  kg  Schrot  aus  gutem  Weizen
herstellen  und  bewahrt  diesen  in  einem  trockenen  Raum  auf.  In  den  Abendstunden
  rührt  man  eine  bestimmte  Menge  mit  angewärmtem  Wasser  an  und
zwar  in  solchem  Verhältnis,  daß  das  trockene  Mehl  sich  mit  dem  Wasser
vollständig  verbindet.  Wenn  dies  erreicht  ist,  arbeitet  man  die  zähe  Teigmasse
etwa  eine  Stunde  mit  einem  breiten  Holzlöffel  durch,  bis  sie  locker  geworden
ist  und  Blasen  bildet.  Dann  ist  sie  gut  vorbereitet  und  kann  zur  Gärung
sich  selbst  überlassen  werden.  Man  bedeckt  die  Teigschüssel,  die  am  besten  aus
Holz  angefertigt  ist,  und  stellt  sie  über  Nacht  an  einen  warmen  Ort  (Küche).
Morgens  ist  der  Teig  noch  lockerer  und  kann  dann  zu  kleinen  Broten
beliebig  geformt  werden.  Oben  bestreut  man  sie  mit  trockenem  Schrotmehl
und  läßt  sie  bei  einem  Bäcker  nicht  zu  rasch  backen,  damit  die  Rinde  nicht
zu  hart  wird.

Noch  gibt  es  ein  Haferbrot,  das  die  Schotten  bereiten,  eine  Art
Maisbrot  der  Südländer,  ferner  ein  Aleuronatbrot  mit  künstlichem
Eiweißzusatz,  ein  Molkenbrot  von  Schröter  in  Elbing,  Kefirbrot  aus
geröstetem  Weizenmehl,  neuerdings  das  vortreffliche  Simonsbrot  u.  a.  m.

In  allen  Ländern  bäckt  man  je  nach  Bedarf,  Landeserzeugnissen  und
Geschmack  ein  Gebäck  aus  verschiedenen  Mehlen  und  gibt  ihm  den  Namen
„Brot".  Es  bildet  den  Stamm  der  menschlichen  Ernährung,  macht  den
Menschen  von  änßerlichen  Zufälligkeiten  unabhängig,  da  es  sich  tage=  und
wochenlang  gut  aufbewahren  läßt,  und  führt  ihm  die  größere  Menge  der
ihm  unentbehrlichen  Nahrungsstoffe,  wie  Mehl,  Eiweiß  und  Salze  zu.  Das
fehlende  Fett  wird  durch  passende  Zusätze  ergänzt.

Über  die  in  Europa  üblichen  Mehl=  und  Brotverfälschungen  wäre  noch
mancherlei  zu  berichten.  Um  Weizenmehl  schwerer  zu  machen,  wird  ihm  Gips,
Kreide,  Schwerspat  zugesetzt;  um  seine  Menge  zu  vermehren,  wind  Kartoffelmehl
darunter  gemengt.  Um  ein  feineres  Mehl  vorzutäuschen,  sollen  Bäcker  ihr