80  Nahrungsmittel.

Als  „Salate“  werden  noch  viele  andere  Blattarten  außer  Kopfsalat
genossen,  so  Endivie,  Löwenzahn,  Feldsalat  („Rapunzel“  in  Sachsen,
„Nüßli“  in  der  Schweiz  genannt),  Kresse,  Zichorie,  verschiedene  Wiesenkräuter,
  wie  sie  uns  das  Frühjahr  bringt  (Sauerampfer,  Kerbel,  Löwenzahn,
  Schafgarbe)  usw.  Viele  von  ihnen  haben  ganz  ausgesprochene  Geschmackswirkungen
  und  wirken  stark  auf  die  Nierentätigkeit  ein,  was  man
vor  allem  von  der  Kresse  rühmt.  Diese  Geruchs=  und  Geschmacksstoffe,
die  ihnen  eigen  sind,  haben  belebenden  Einfluß  auf  das  Nervensystem
und  die  Verdauungsorgane.  Weil  sie  nicht  eigentliche  Nährstoffe  sind,
nennt  man  sie  auch  „Genußstoffe"“".  Unter  Umständen  wirken  sie  auch  ungünstig
  ein.

Unter  den  Stengeln  sind  vor  allem  Spargel,  Rhabarber  und  eine
Art  Rübenblätterstiele  zu  erwähnen.  Ihr  Wassergehalt  ist  sehr  bedeutend,
ihre  Geschmackswirkung  aber  so  angenehm,  daß  sie  dennoch  gesucht  sind,  was
vor  allem  von  den  Spargeln  gilt.  Die  Erfahrung  hat  gelehrt,  daß  sie  bei
vorhandener  Neigung  zu  Blutungen  aus  den  Beckenorganen  diese  vermehren,
wahrscheinlich  ihrer  treibenden  Wirkung  wegen,  die  sie,  wie  allbekannt,  auf
die  Nieren  ausüben.  Die  Urinmenge  mehrt  sich  sofort  nach  Spargelgenuß,
bei  manchen  Personen  sogar  schon  nach  einer  halben  Stunde,  und  sein  Geruch
ist  intensiv.

Rhabarberstengel  werden  meist  wie  Kompott  zubereitet  und  wirken
stärker  auf  den  Darm.  Die  Rübenblätterstiele  sind  ziemlich  indifferent.

Ihres  verhältnismäßig  hohen  Gehaltes  an  Nährsalzen  und  ihrer
Holzfaser  wegen  wirken  alle  Blattgemüse  ebenso  günstig  auf  die  Blutbeschaffenheit
  wie  auf  die  Darmtätigkeit  ein;  würde  man  mehr  und  regelmäßiger
  davon  genießen,  so  könnte  sich  manche  chronische  Blutkrankheit
nicht  entwickeln.  Tatsächlich  aber  genießt  die  städtische  sowie  ländliche  Bevölkerung
  nur  wenige  Monate  im  Jahre  frische,  grüne  Gemüse,  und  dann  nur
Sauerkraut,  Salzbohnen  oder  Salzgurken,  häufig  aber  auch  diese  nicht.  Man
trifft  fruchtbare  ländliche  Gegenden,  wo  überhaupt  nur  wenig  Gemüsegärten
vorhanden  sind;  kurze  Zeit  im  Sommer  liefern  diese  grüne  Bohnen,  dann
Kopfsalat,  dazwischen  gelbe  Rüben  (Möhren),  und  damit  ist  der  Vorrat
erschöpft.  Die  Folge  dieses  mangelhaften  Gartenbaues  und  Gemüsegenusses
ist,  daß  die  Bevölkerung  nur  eine  einseitige  Mehlnahrung  genießt,  in  welcher
die  Kartoffel  meist  vorherrscht,  schlechtes  Fleisch,  Alkohol  und  reichlicher
Kaffee  als  Reiz=  und  Genußstoffe  niemals  ausgehen.  Daß  unter  solchen
Umständen  trotz  reinster  Lust  und  waldreicher  Gegend  dennoch  chronische
Krankheitszustände  sich  entwickeln,  ist  erklärlich.

Besonders  in  industriereichen  Gegenden  ist  es  oft  unmöglich,  Kranken
Gemüsediät  zu  verordnen;  sieben  Monate  im  Jahr  ist  nichts  Grünes  zu
erhalten,  Büchsen=  oder  Dörrgemüse  auch  nur  in  den  größten  Städten
zu  haben.