88  Nahrungsmittel.

Mangel  haben  (Übermaß  an  Kali,  Mangel  an  Natron!);  zweitens  durch  das
Auslaugen  salzreicher  Nahrungsmittel  in  der  Küche  durch  Einwässern,  Abkochen
  usw.;  drittens  durch  das  Bedürfnis  der  Menschen  nach  Reizmitteln,
das  auch  eine  Salzschwelgerei  ausgebildet  hat,  ebenso  wie  viele  nach  Alkoholgenuß
  verlangen  oder  ohne  Tabak  und  „kräftigende“  Fleischbrühe  nicht  bestehen
  können.  Das  sind  die  drei  Hauptgründe  für  den  sonst  unbegreiflichen
Kochsalzgenuß.

Viele  Menschen  genießen  täglich  20—30  gr  Kochsalz;  man  stelle  sich  vor,
was  es  zu  bedeuten  hat,  wenn  solche  Zufuhr  eines  nicht  naturnotwendigen
Stoffes  20,  40,  60  Jahre  hindurch  stattfindet!

Dr.  Lahmann  spricht  mit  Recht  von  einer  „Durchpökelung“  des  lebenden
  Fleisches.  Es  kann  nicht  ohne  Einfluß  auf  die  Gewebe  bleiben,  und  es
ist  unzweifelhaft,  daß  manche  bisher  dunkel  gebliebene  Krankheitsursache
schließlich  im  jahrelangen  Kochsalzgenuß  ihre  Erklärung  finden  wird.  In  erster
Linie  dürften  die  Gefäßwände  (Adernhäute)  durch  fortwährende  Bespülung
mit  einem  unrichtig  zusammengesetzten  Blut  Schaden  erleiden,  und  manche
Erkrankung  der  Arterien  und  Venen,  mit  dunklem  Namen  belegt,  wird  sich
eines  Tages  als  natürliche  Folge  von  Ernährungsfehlern  entpuppen.

Solchen  Erkrankungen  kann  man  jedoch  vorbeugen,  wenn  man  sich  beizeiten
  Rechenschaft  über  die  Ernährungsverhältnisse  gibt  und  alles  als  fehlerhaft
  Erkannte  vermeidet.  Dies  kann  auch  hinsichtlich  des  Kochsalzgenusses
geschehen,  indem  man  ihn  teils  ganz  abschafft,  teils  bedeutend  einschränkt.
Ganze  Völkerschaften  leben  ohne  Salz,  und  einzelne  Menschen  haben  bei  guter
Zusammenstellung  der  Nahrungsmittel  auch  unter  uns  jahrelang  ohne  Salz
zu  leben  vermocht,  und  zwar  ohne  Nachteile  zu  verspüren.  6

Stets  aber  wird  der  Genuß  unvollkommener  Nahrungsmittel,  z.  B.  aller
Gerichte  aus  weißem  gebeuteltem  Mehl,  oder  gebrühter,  ihres  natürlichen
Nährsalzgehaltes  beraubter  Gemüse,  Kochsalzzusatz  nötig  machen,  weil  sie
geschmacklos  geworden  sind  und  die  Geschmacksnerven  nicht  genügend  reizen.
Die  Verdauung  leidet  aber,  wenn  dieser  Reiz  ausgeschaltet  wird,  und  so  muß
ihnen  notgedrungen  etwas  Salz  beigefügt  werden.  Durch  eine  besondere
Zubereitungsart  der  Gemüse  und  durch  Bevorzugung  des  Schrotmehles,  das
bekanntlich  die  Nährsalze  enthält  und  darum  auch  ohne  Kochsalz  kein  leeres,
geschmackloses  Brot  gibt,  sichern  wir  uns  jedoch  große  Vorteile  und  ersparen
uns  den  Kochsalzzusatz.  Auch  zeitweiser  Genuß  der  Hensell'schen  Salzmischungen
  wirkt  auf  viele  Menschen  günstig  ein.

Jene  Völker,  die  Tierblut  genießen,  ersparen  sich  gleichfalls  das  Kochsalz,
  weil  dieses  Blut  viele  aufgelöste  Salze  enthält,  allerdings  unter  den
wertvollen  auch  solche,  die  schon  verbraucht  der  Ausscheidung  harrten  und
demgemäß,  in  einen  neuen  Organismus  gebracht,  nicht  günstig  wirken  können.

Andere  Völker  genießen  viele  Milchprodukte  und  sind  daher,  ohne  besondere
  Kenntnisse  von  der  Existenz  der  Nährsalze  und  ohne  entwickelteren