Nahrungsmittel.  89

Gartenbau,  der  ihnen  reichlichen  Gemüsegenuß  sichern  würde,  dennoch  nicht
an  Nährsalzen  verarmt.  Die  Milch  führt  ihnen  genügend  Mineralien  zu.
Noch  andere  verzehren  nährsalzreiche  Wurzeln  oder  Früchte  und  bekommen
infolgedessen  weder  krankes  Blut  noch  Kochsalzhunger.

In  Enropa  allein,  wo  der  Boden  durch  lange  Kultur  schon  geschwächt
ist  und  häufig  minderwertige  Pflanzen  liefert,  die  ärmere  Bevölkerung  auch
zu  eintöniger  Kartoffelnahrung  verdammt  ist,  eine  krankhafte  Reizsucht  die
bemittelteren  Volksschichten  ergriffen  hat:  nur  dort  ist  die  Kochsalzschwelgerei
entwickelt  wie  kaum  anderswo.

S

Die  lüßen  Früchte.  (Das  Oblt.)

Alle  Baum=  und  Strauchfrüchte,  welche  Zucker  enthalten,  werden  zum
„Obst“  gerechnet.  Neben  ihrem  Zuckergehalt  zeichnen  sie  sich  auch  durch
eigentümliche  Geschmackswirkung,  durch  feines  Aroma  und  geradezu  prächtige
  Farben  aus.  Man  denke  an  den  Duft  der  Erdbeere,  den  Farbenreiz
eines  Pfirsichs,  den  köstlichen  Geschmack  einer  dunkelroten,  saftigen  Kirsche!
Es  ist,  als  ob  Sonne  und  Pflanzenwelt  ihr  Höchstes  in  solchen  Früchten
leisten  wollten.  Wie  armselig  erscheint  dagegen  die  grüne  Gurke,  der  weiße
Krautkopf,  die  braune  Linse!

Je  mehr  die  Sonnenstrahlen  einwirken,  desto  Herrlicheres  erzeugt  die
Pflanzenwelt;  daher  haben  wir  in  den  Tropenländern  die  „Goldorangen"“,
die  zuckerreichen  Datteln,  die  nahrhaften  Feigen  und  noch  viele  andere
saft=  und  geschmackreiche  Früchte.

Eiweiß,  Fett  oder  Mehl  enthalten  viele  Früchte  nur  in  geringen  Mengen,
Holzfasern  und  Fruchtsäuren  dagegen  verhältnismäßig  viel;  ihr  Zucker  aber
geht  leicht  in  die  Blutbahn  über  und  ist  für  unsere  Ernährung  von  größter
Bedeutung.  Es  stellen  die  süßen  Früchte  somit  eine  höhere  Art  der  Nährstoffe
  dar,  da  sie  den  Zucker  in  gelöster  Form  bieten.

Es  enthalten  hauptsächlich:

Zucker  Salze  Holzfaser  Fruchtsäuren  Wasser
Weintrauben  16%  12%  3  1%  353/4%  78%/1%
Birnen  12%  14%  1  %%  11%  831%
Melonen  7%  35¼  %  1  so0  0%  90  %
Himbeeren  4%  12%  7  L/0  1%  8  %
Zwetschgen  11%  5/4%  5½%  54%  81  1¼  %

Bei  den  Birnen  und  Zwetschgen  fällt  uns  der  hohe  Gehalt  an  Holzfaser
(Zellulose)  auf,  noch  mehr  aber  bei  der  zarten  Himbeere;  bei  der  saftigen  Melone
erwarten  wir  nicht  weniger  als  90%  Wasser,  bei  den  reifen  Weintrauben
aber  den  höchsten  Zuckergehalt.  Die  Himbeere  hat  hohen  Fruchlsäuregehalt,
der  nur  von  Johannisbeeren  und  Apfelsinen  überkrosfen  wird.