92  Nahrungsmittel.

Wir  finden  bei  den  Datteln  sogar  70%  Kohlenhydrate  (Zucker  und

ehl)  und  wundern  uns  dann  nicht  mehr  über  ihre  sättigende  Wirkung.  Die

fettgedruckten  Zahlen  geben  bei  den  Apfeln  den  Gehalt  im  frischen  Zustand

an,  und  da  zeigt  sich  tatsächlich  ein  gewaltiger  Unterschied:  statt  27%  Wasser
84  %  und  statt  61%  Kohlenhydrate  13  %.

Viele  andere  aus=  und  inländische  Früchte  sind  zu  wenig  bekannt  und
zu  schwer  zu  haben,  als  daß  es  sich  lohnte,  sie  alle  mit  Namen  und  Eigenschaften
  anzuführen.  Wir  können  nur  versichern,  daß  uns  die  Natur  reich
beschenkt  und  daß  wir  nach  Land  und  Klima  nach  Belieben  unter  köstlichen
Früchten  wählen  können.

Drei  Früchte  wollen  wir  ihrer  vortrefflichen  Eigenschaften  wegen  noch
insbesondere  besprechen,  das  sind  Apfelsinen  (Orangen),  Zitronen  und
Apfel.  Die  beiden  ersten  sind  „Südfrüchte",  gedeihen  bei  uns  nicht,  sind
aber  ihrer  Haltbarkeit  und  der  reichlichen  Einfuhr  wegen  besonders  zu  der
Zeit  recht  billig  zu  haben,  in  der  wir  uns  auf  trockene  oder  eingemachte
Früchte  beschränken  müssen.  Zitronen  sowohl  wie  Orangen  schreibt  man
fieberwidrige  Eigenschaften  zu;  tatsächlich  sind  sie  auch  ein  köstliches  Erfrischungsmittel
  für  Kranke  und  genußreich  für  Gesunde.  Man  hat  sogar  „Zitronenkuren“
  versucht  und  empfohlen  und  will  durch  die  Fruchtsäure  der  Zitronen
günstige  Wirkung  erzielt  haben.  In  gewissem  Maß  mag  dies  sicherlich  der
Fall  sein;  bei  übermäßigem  Genuß  der  sauren  und  unreifen  Zitrone  aber
G.  B.  15  Stück  Zitronen  täglich!!)  wird  zweifellos  auch  eine  ungünstige  Wirkung
auf  die  Magenschleimhaut  ausgeübt.  (Siehe  III.  Teil  „Heilkunde“.)

Bei  beiden  Früchten  werden  auch  die  Schalen  verwendet,  die  ihres
flüchtigen  Oles  wegen  starke  Geschmackswirkungen  haben.

Ganz  anders  ist  der  harte  Apfel  beschaffen,  der  sich  an  Aroma  und
Saftreichtum  mit  den  genannten  Südfrüchten  nicht  messen  kann.  Dennoch  ist
er  für  uns  als  einheimische  Frucht  seiner  größeren  Haltbarkeit  und  seiner
Nährstoffe  wegen  noch  viel  wertvoller.

Ein  berühmter  französischer  Arzt  schrieb  seinerzeit  die  Abnahme  der
Verdauungsbeschwerden  und  der  Gallenkrankheiten  in  Paris  dem  vermehrten
Genuß  von  Apfeln  zu,  die  er  für  sehr  gesund,  magenstärkend  und  leicht  verdaulich
  hielt.  Es  ist  ja  auch  erwiesen,  daß  die  Apfelsäure  zur  Beförderung
der  Verdauung  wesentlich  beiträgt.  Am  zuträglichsten  und  wohlschmeckendsten
sind  die  weinsauren  Sorten,  als:  Gravensteiner,  Reinette,  rote  Reinette,  Gold-=reinette,
  Borsdorfer,  Stettiner  usw.

Der  Volksglaube  lehrt  sogar:  „Wer  vor  dem  Schlafengehen  einen  Apfel
ißt,  gibt  dem  Arzte  nichts  zu  verdienen.“

Da  er  tatsächlich  auf  die  Verdauung  vortrefflich  einwirkt  und  als  Mus
gekocht  auch  von  sehr  schwachen  Personen  gut  vertragen,  ferner  von  den  Kindern
geliebt  wird,  so  sollte  er  in  keinem  Haushalte  fehlen,  und  die  Anpflanzung
von  Apfelbäumen  sollte  in  noch  viel  ausgedehnterem  Maße  gepflegt  werden.