Nahrungsmittel.  97

Was  unsere  Lippen=  und  Gaumennerven  schon  so  heftig  berührt,  wie
reine  Zitronensäure  es  tut,  ist  mit  Bedacht  aufzunehmen  und  ist  auch  der
Magenschleimhaut  nicht  sehr  willkommen.  Lippen  und  Gaumen  sollten  als
Hüter  des  Mageneinganges  betrachtet  werden,  dann  würde  manche  Erkrankung
vermieden  werden.

Die  natürliche  Zitronensäure  hat  vor  allem  einen  Vorzug:  sie  ist  reiner
Fruchtsaft,  ein  natürliches  Säurungsmittel,  nicht  eine  künstlich  zusammengesetzte,
  geheimnisvolle  Mischung,  deren  Wirkung  wir  gar  nicht  ermessen
können.  Daher  sei  auch  vor  den  künstlichen  Zitronenessenzen  gewarnt,  die
großenteils  nur  chemische  Produkte  sind,  nicht  aber  nur  haltbar  gemachte
Fruchtsäfte.  —  In  altem,  trübgewordenen-  Essig  entwickeln  sich  kleine  Lebewesen,
  sogen.  Essigäle,  wie  sie  Fig.  41  zeigt.  Die  Abbildung  zeigt  allerlei
Niederschläge,  welche  durch  Zersetzung  entstehen.  Solcher  Essig  muß  weggegossen
  werden.

Zucker  und  Honig.

Sehr  oft  hört  man  sagen,  Zucker  verderbe  die  Zähne,  „verschleime“"  den
Magen,  bewirke  schlechten  Stuhlgang  und  anderes  mehr,  und  man  verbietet  ihn
den  Kindern.  Die  Kenntnisse  der  Mütter  sind  gewissermaßen  das  Schicksal  der
Kinder  —  in  ihren  Händen  liegt  es,  Kinder  durch  verkehrte  Lebensgewohnheiten
krank  zu  machen,  oder  schwächliche  Kinder  durch  richtige  Pflege  gesund  zu  erhalten.

Sie  müssen  also  in  erster  Linie  lernen,  sie  müssen  sich  Rechenschaft
geben  über  alle  häuslichen  Einrichtungen  und  übertragene  Anschaunngen.

Also  der  Zucker  ist  nicht  nur  Gewürz,  sondern  hauptsächlich  Nahrungsmittel.
  Was  aber  nennt  man  denn  eigentlich  „Zucker"“?  Leider  nicht  den
Traubenzucker,  den  man  nicht  sieht  und  der  in  den  Früchten  aufgelöst  sich
vorfindet,  sondern  nur  den  weißen  Hutzucker,  den  konzentrierten,  kristallisierten
Rüben=  und  Zuckerrohrsaft,  der  künstlich  gebleicht  (weiß  gemacht)  und  durch
Ultramarin  bläulich  gefärbt  ist.  In  feinen  Würfeln  und  auch  als  Strenzucker
  ist  er  überall  käuflich.  Das  nennt  man  gemeiniglich  „Zucker“.

Er  ist  sehr  haltbar,  sehr  sauber;  die  guten  Sorten  lösen  sich  in  Flüssigkeiten
  rasch,  die  schlechten  langsam  und  lassen  einen  Satz  zurück;  aber  er  ist  auch
recht  teuer  und  gilt  an  dem  Tisch  der  Armen  als  Luxus.  Der  Hutzucker  gibt  uns
Zucker  in  konzentrierter  Form,  nicht  vermischt  mit  anderen  Stoffen,  wie
dies  beim  Zucker  in  den  Früchten  der  Fall  ist,  und  führt  noch  andere  Bestandteile
  mit  ein,  die,  wie  das  Ultramarin,  mit  der  Zeit  wohl  schädlich
werden  können.  Dies  alles  unterscheidet  ihn  also  ganz  wesentlich  vom  Fruchtzucker
  und  vermindert  seinen  Wert  bedeutend.  In  solcher  Form  täglich

Die  Frau  als  Hausärztin.  7