98  Nahrungsmittel.

genossen,  rein  oder  aufgelöst,  in  verschiedenen  Gerichten,  kann  er  die  Verdauung
  ungünstig  beeinflussen.  Die  Versuche,  in  der  Heeresverpflegung  den
Würfelzucker  anzuwenden,  können  daher  nicht  ganz  sympathisch  berühren.
Sie  wären  nur  dann  als  positiver  Fortschritt  zu  achten,  wenn  der  Zucker
etwa  als  Ersatz  des  Alkohols  aufgefaßt  würde.  Iu  diesem  Sinne  betrachtet
man  die  Sache  aber  nicht.

Wirkliches  „Gewürz“  wären  jene  modernen  Süßstoffe,  die  als  Zuckerersatz
in  den  Handel  kommen  und  für  die  Ernährung  ganz  wertlos  sind.  Dazu  gehören
Sacharin  (Teerzucker),  Dulzin  usw.  Vor  ihnen  sei  gewarnt,  umsomehr,  als
nicht  abgestumpfte  Gaumen  den  Sacharingeschmack  als  ekelhaft  empfinden.

Sehr  zu  empfehlen  für  besondere  Muskelleistungen,  Radfahren,  Bergtouren
und  ähnliches  ist  der  Genuß  stark  gezuckerter  Zitronenlimonade,  welche  nicht
nur  sehr  erfrischend  wirkt,  sondern  durch  den  aufgelösten  Zuckergehalt  nahrhaft
ist  und  Ermüdungsgefühl  rasch  beseitigt.  Als  warmes  Getränk,  gleichfalls  mit
anregenden  Genußstoffen  versehen,  ist  stark  gesüßter  chinesischer  Tee  sehr  wertvoll,
  der  gesunkene  Lebensgeister  wieder  zu  beleben  vermag.  Man  versehe  sich  mit
bestem,  ultramarinfreiem  Zucker,  der  sich  ebenso  gut  hält  wie  gebläuter,  und  man
wird  bei  mäßigem  Gebrauch  vom  Rohrzucker  Nutzen  haben.  Ihn  aber  rein  und
unaufgelöst  zu  verspeisen  wie  Bonbons,  das  können  wir  nicht  empfehlen.

Sicher  ist  es,  daß  er,  zu  reichlich  und  unverdünnt  zugeführt,  Reizerscheinungen
  bewirkt;  es  ist  also  das  häufige  Zuckernaschen  der  Kinder,  das
tägliche  Verzehren  von  zuckerhaltigen  Leckereien  Erwachsener  nicht  mit  Unrecht
in  üblen  Ruf  gekommen;  vielleicht  kann  man  auch  sagen,  daß  die  „Zuckersucht“
  gerade  so  gut  eine  krankhafte  Erscheinung  ist  und  nur  bei  Menschen
mit  unrichtigem  Stoffwechsel  und  krankhaftem  Appetit  vorkommt,  wie  eine
andere  „Sucht“,  die  sich  nach  Pikantem,  Saurem  oder  Scharfem  richtet.
Blutarme,  nervöse  Frauen  zittern  mitunter  auf  Essig;  kleine,  blasse  Mädchen
mit  schadhaften  Zähnen,  die  keine  Mahlzeit  richtig  mitessen,  lassen  in  ihren
Taschen  allerlei  Bonbous  niemals  ausgehen.  Die  gefärbten  Dinger  schaden
dem  schwachen  Magen,  und  die  Essigsäure  führt  noch  mehr  Nachteile  mit
sich;  aber  solche  Gelüste  sind  Folgen  eines  krankhaften  Zustandes,  nicht
Ursache,  wenn  sie  auch  diesen  nur  noch  vermehren.  Bei  kräftiger  Bewegung,
gesundem  Hunger,  normaler  Verdanung  verschwinden  solche  Gelüste.  Bei  übermäßigem
  Zuckergenuß  wird  selbstredend  Zucker  auch  unverdaut  ausgeschieden.

Man  betrachte  die  Zuckersucht  von  diesem  Standpunkt  aus  und  versuche
  sie  zu  heilen,  indem  man  ihre  Ursachen  beseitigt.

Ungebleichter,  reiner  Zucker  ist  nicht  kreideweiß,  sondern  gelblich,  der
sogen.  Kandiszucker  ist  daher  in  seiner  Bräune  natürlich.

Wir  fassen  nun  alles  über  den  Zucker  Gesagte  in  nachfolgenden  Sätzen
zusammen:

1.  Aufgelöster  reiner  Zucker  ist  das  ausgiebigste  und  leichtverdaulichste

Nahrungsmittel;

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