102  Nahrungsmittel.

in  erster  Linie  vermindert  und  dafür  Vegetabilien  eingeschoben  werden,  damit
Salze,  belebende  Fruchtsänren,  aromatische  Pflanzenteile  das  Blut  rein
erhalten,  und  der  Verdanungsapparat  nicht  ermüdet,  sondern  zu  kräftiger
Tätigkeit  angeregt  wird.  Wir  haben  in  einem  früheren  Kapitel  gehört,  daß
50  gr  Eiweiß  zu  500  gr  Fett  und  Mehlen  vollkommen  zur  Ernährung  eines
ruhig  lebenden  Menschen  ausreichen  (1:  10);  wer  daher  einmal  des  Tages
Fleisch  ißt,  vermeide  Eier  oder  schweren  Käse,  und  wer  mehrere  Eier  oder
viel  Milch  genoß,  lasse  an  solchem  Tage  das  Fleisch  ausfallen,  dagegen  sorge
man  täglich,  Winter  und  Sommer,  für  frische  und  trockene  Gemüse,  frisches
oder  trockenes  Obst,  Mehlfrüchte  aller  Art.  Dann  bleibt  man  im  Gleichgewicht
  und  wird  nicht  verdauungskrank.

Wie  auf  der  einen  Seite  in  Eiweiß  geschwelgt  wird,  so  geschieht  dies
auf  der  anderen  Seite  auch  mit  der  Mehlnahrung,  natürlich  in  anderen
Volkskreisen.  Kartoffeln,  Brot,  dazu  ein  steifer,  mehliger  Brei  oder  ein
derber  Kuchen  zum  unentbehrlichen  Kaffee,  das  ist  oft  monatelang  die  wenig
abwechslungsreiche  Nahrung  breiter  Volksschichten:  kaum,  daß  der  Darm
die  Mehlmassen  verarbeiten  kann,  daß  das  Blut  die  nötigsten  Nährstoffe
empfängt.  Auch  Kinder  sieht  man  oft  unglaubliche  Mengen  Butterbrote
und  Kuchen  vertilgen,  die  den  Darm  vollständig  anfüllen,  Druckwirkungen,
Gasbildung,  schließlich  Appetitlosigkeit  erzeugen  und  zu  den  Dickbäuchen
unserer  kleinen  Lieblinge  gewaltig  beitragen.  Besteht  Neigung  zu  Fettansatz,
so  trägt  natürlich  der  beständige  überschuß  an  Zucker  im  Organismus  auch
wesentlich  dazu  bei,  die  Bildung  von  Fettzellen  zu  unterstützen.  Allen  Fettleibigen
  wird  daher  allzu  reicher  Zucker=  und  Mehlgenuß  verboten.  Noch
schlimmer  ist  die  Wirkung  der  Mehle  bei  Darmträgheit,  bei  welcher  oft  schon
geringe  Anforderungen  an  die  Verdauungskraft  kaum  noch  befriedigt  werden
können.  Führen  wir  mehr  Zucker  in  natürlicher  Form  ein,  also  durch  süße
Früchte,  so  ist  Mehlnahrung  schon  an  sich  nicht  mehr  so  reichlich  nötig.  Ausdehnung
  des  Magens,  Ermüdung  des  Darmes,  schwerer  Stuhlgang  werden
dann  niemals  eintreten.

Ergänzung  unserer  täglichen  Gerichte  halte  man  also  fest  im  Ange,
ebenso  das  richtige  Verhältnis  der  Nährstoffe  zueinander,  d.  i.  wenig  Fett
und  Eiweiß,  mehr  natürlichen  Zucker  und  salzreiche  Gemüse.

Wir  kommen  nun  zum  Einfluß  des  Feuers  auf  unsere  Nahrungsmittel,
zum  eigentlichen  „Kochen“.

Das  Kochen  wirkt  auf  die  Nahrungsmittel  ein  unter  Vermittlung  des
Wassers,  des  Fettes,  oder  auch  direkt.  Starke  Hitze  bringt  die  Eiweißstoffe
zur  Gerinnung,  erzeugt  dadurch  unter  Entwicklung  von  Röstprodukten  bräunliche
„Rinden“,  bewirkt  den  Austritt  und  die  Verdampfung  des  Wassergehaltes,
weshalb  die  geschmorten  „gerösteten"“  Nahrungsmittel  an  Umfang  verlieren,
kleiner  und  fester  werden,  und  veranlaßt  ferner  den  Austritt  von  allerlei
Riechstoffen,  was  in  der  Nähe  einer  Küche  stets  bemerkbar  wird.