108  ·  Nahrungsmittel.

lichsten  Bildungen  zeigen  sich  uns  unter  dem  Vergrößerungsglase.  Man
prüft  Trinkwasser  auf  seine  Güte,  indem  man  es  in  einem  Fläschchen  fünf
Minuten  lang  kocht.  Enthält  es  fremde  Bestandteile,  so  bildet  sich  ein
Bodensatz;  viel  Kalk  zeigt  sich  durch  Trübung  des  Wassers,  da  die  Kohlen-=säure
  durch  die  Erhitzung  entweicht.  Gestandenes,  schales,  trübes  Wasser
trinke  man  also  nicht.

Eisig  kaltes  Wasser  vermeide  man  lieber,  12—14°  R.  ist  seine  angenehmste
  Temperatur.  Morgens  früh  in  nüchternem  Zustand  ein  Glas  frisches
Wasser  trinken,  wirkt  vorzüglich  auf  die  Verdauungsorgane  ein,  reinigend
auf  Rachen  und  Schlund,  Appetit  erregend  und  Stuhl  befördernd.  Hinuntergestürztes
  kaltes  Wasser  übt  einen  nicht  unbedentenden  Nervenreiz  aus,  der
bei  nervenschwachen  oder  herzleidenden  Personen  zu  unangenehmen  Erscheinungen
  führen  kann.  Ein  kalter  Trunk  in  erhitztem  Zustande  hat  manchem,
der  mit  Krankheitsstoffen  überladen  war,  Entzündungszustände  oder  Stauungen
verursacht;  ja  auch  Hirn=  und  Herzschläge  hat  man  dabei  infolge  der  plötzlichen
  Zirkulationsstörung  beobachtet.  Schluckweises  langsames  Trinken
dagegen,  besonders  bei  gleichzeitigem  Tiefatmen,  ist  auch  in  erhitztem  Zustand
ungefährlich.  Bei  reichlichem  Obstgenuß  und  ruhiger  Lebensweise  ist  tägliches
  Wassertrinken  ziemlich  überflüssig,  nur  nach  körperlicher  Anstrengung
und  gesundem  Durstgefühl  ist  es  begründet.  Das  gewohnheitsmäßige  Wassertrinken
  zu  allen  Mahlzeiten  ist  etwas  recht  übles,  verdünnt  den  Mageninhalt,
strengt  Herz  und  Niere  an.  Nur  bei  gewissen  nervösen  Störungen  mit
lebhaftem  Durstgefühl  lasse  man  zur  Beruhigung  schluckweise  Wasser  trinken,
schaffe  gleichzeitig  aber  alle  dursterregenden  Speisen  ab.  Kinder  gewöhne
man  gar  nicht  an  das  fortwährende  Trinken.  Die  aufgeklärte  Hausfrau  ist
für  solche  Mißbräuche  verantwortlich.  Unter  den  künstlichen  Getränken  stehen
die  Moste  obenan.  Man  hat  gelernt,  aus  den  meisten  Baum=  und  Strauchfrüchten
  köstliche  „Weine“  zu  bereiten,  welche  man  durch  ein  besonderes
Verfahren  vor  der  Gärung  bewahrt.  Es  entwickelt  sich  in  ihnen  deshalb
gar  kein  Alkohol.  Zur  Blutverbesserung,  als  Genuß=  und  Festgetränk  seien
sie  alt  und  jung  empfohlen.  Die  vorzüglichsten  Weine  liefert  in  Deutschland
die  Rheingegend.  Die  deutsche  Weinmostkelterei  Lampe  in  Worms
a.  Rh.  stellt  köstlichen  „Burgunder"“  und  „Liebfrauenmilch“  usw.  her,  deren
Gehalt  an  mineralischen  Bestandteilen,  Fruchtzucker  und  Säuren  für  Kranke
und  Genesende  sehr  wertvoll  sind.