Nahrungsmittel.  117
und  Tier,  ohne  welches  alle  Lebensäußerungen  bald  erlöschen.  Daher  das
Siechtum  so  vieler  Menschen,  welche  in  geschlossenen  Räumen  oder  in  dumpfigen
Straßen  stark  bevölkerter  Städte  wohnen,  wo  sich  die  Menschen  das  bißchen
Sauerstoff  gegenseitig  wegatmen,  dabei  die  Luft  mit  ihren  Ausdünstungsstoffen
verpestend.  Sauerstoffhunger  steht  auf  ihren  welken  Gesichtern  geschrieben,
  frühzeitiger  Tod  ist  die  weitere  Folge.  Bringt  man  dieselben
Menschen  in  reine,  sauerstoffreiche  Luft,  in  eine  waldige  Gegend,  so  blühen
sie  merkwürdig  auf,  der  Stoffwechsel  hebt  sich,  das  Gesicht  rötet  sich,  die
Augen  bekommen  wieder  Glanz;  Mut  und  Lebenslust,  die  oft  schon  verloren
schienen,  stellen  sich  wieder  ein.  Und  dies  alles  hat  der  Sauerstoff  bewirkt!
Daher  die  erfreulichen  Erfolge  der  Ferienkolonien,  eine  der  menschenfreundlichsten
  und  wohltätigsten  Einrichtungen  unserer  Zeit.  Schade  nur,  daß  sie
nicht  in  ausgedehnterem  Maße  Anwendung  finden  können.  Wie  manches
schwächliche  Schulkind,  das  seit  seiner  Geburt  an  Lufthunger  krankte  und  das
infolgedessen  bereits  alle  Anlagen  zur  Schwindsucht  in  sich  trug,  kam  als  rotbackiges,
  vergnügtes  Kind  wieder  heim  und  war  in  dem  Winter,  der  diesen
gesegneten  Ferien  folgte,  viel  leistungsfähiger  und  widerstandsfähiger  als  vorher.

Aber  nicht  nur  darbende,  schwächliche  Kinder  brauchen  „Ferienkolonien“;
ach,  so  viele  herabgekommene  Mütter  und  Hausfrauen,  für  welche  niemals
Mittel  zur  Pflege  oder  zur  Erholung  übrig  bleiben,  haben  sie  noch  viel  nötiger,
würden  ihren  Familien  dadurch  manches  Jahr  länger  erhalten  bleiben.
Noch  gibt  es  für  diese  keine  „Ferienkolonien“,  —  so  weit  sind  wir  noch  nicht.

Über  die  Aufgaben  des  eingeatmeten  Stickstoffs  in  unserem  Organismus
sind  wir  uns  nicht  klar.  Ein  Teil  desselben  wird  sicherlich  zu  neuen  Verbindungen
  verwendet;  man  vermutet,  im  Hungerzustande  auch  zur  Bildung
von  Eiweißkörpern.  Der  Überschuß  wird  ausgeatmet.

Ein  Teil  des  Sauerstoffes  bindet  sich  dagegen  an  den  im  lebenden
Organismus  überschüssigen  Kohlenstoff  und  kommt  als  „Kohlensäure“  (COe)
mit  Wasserdampf  zur  Ausatmung.  Der  Vorgang  der  Kohlensäurebildung
und  Ausscheidung  ist  von  höchster  Bedeutung  in  unserem  Organismus.  Seine
Hemmung  bedeutet  Krankheit  und  Siechtum,  Kälte  und  Tod,  seine  Beförderung
Gesundheit,  Wärme,  frisches  Leben.

Darum  —  nehmen  wir  uns  ein  Beispiel  an  den  wetterharten  Bergbewohnern
  —  verlassen  wir  die  rauchigen  Städte  so  oft  als  nur  möglich,
lüften  wir  unsere  Lungen  durch  andauerndes  Bergsteigen,  füllen  wir  unsere
Leiber  mit  dem  Ozon  der  Wälder  und  schwelgen  wir  im  Lichte  der  Sonne,
wo  wir  es  nur  vermögen!  Ist  der  Darm  nebenbei  nicht  mit  überflüssigen
Nahrungsmengen  überfüllt,  sind  die  Nerven  durch  Alkoholgenuß  nicht  gereizt,
so  werden  wir  wahre  Wunderwirkungen  an  unserem  Körper  verspüren.

Wie  wenig  Frauen  aber  haben  Verständnis  für  unsere  Worte,  unsere  Schilderungen!
  Die  Männer  wissen  sich  oft  trotz  anstrengendster  Berufsverhältnisse
Ferien  zu  schaffen,  und  neugekräftigt  treten  sie  in  ihren  Pflichtenkreis  wieder  ein;