Sonnenlicht  und  Sonnenwärme.  127

des  Menschen  entspricht,  auf  den  wir  schließlich  doch  immer  wieder  zurückkommen,
  wenn  uns  die  Kultur  zu  weit  davon  abgeführt  hat,  so  werden  wir
Lichtluftbäder,  Lufthütten  und  Sonnenbäder  schon  in  diesem  Kapitel  besprechen
und  auf  ihre  großen  Vorzüge  hinweisen.

Zur  Klärung  unserer  Ausführungen  erwähnen  wir  noch,  daß  wir  außer
der  Sonne  als  oberste  und  machtvollste  Wärmequelle  noch  eine  zweite  Wärmequelle
  besitzen,  welche  die  Grundlage  des  tierischen  Lebens  bildet:  das  ist  die
Verbrennungswärme  im  Innern  unseres  Organismus  und  die  Verbrennungswärme
  jener  toten  Körper,  welche  wir  zu  unseren  künstlichen  Wärmequellen
umgewandelt  haben,  wie  jene  des  Holzes,  der  Kohlen  usw.  Unsere  innere
Wärme  wird  so  lange  erzengt,  als  wir  leben,  und  erlischt  mit  eintretendem
Tode.  Sie  ist  verschieden,  je  nach  dem  Grade  unseres  Stoffwechsels;  d.  h.  je
energischer  dieser  ist,  unterstützt  durch  kräftige  Muskelarbeit  und  gründliche
Atmung,  desto  mehr  Wärme  erzeugt  er.  Ein  Beispiel:

Eine  blasse,  sanfte  Frau  sitzt  fröstelnd  am  Nähtisch  und  läßt  die  Nadel
auf=  und  abgleiten;  sie  hat  warme  Kleider,  gepolsterten  Sitz  und  eine  behagliche
  Stube  und  fröstelt  dennoch.  Da  tritt  ihr  Gatte  ein  mit  elastischem
Schritt,  gerötetem  Antlitz.  Er  bringt  einen  frischen  Luftzug  mit,  denn  draußen
war  es  nicht  heiß.  Wie  warm  aber  war  sein  Körper,  vom  scharfen  Gange  in
der  freien  Natur  erwärmt!  Das  war:  Muskelarbeit  und  Tiefatmung,  daher
gründlichere  Sauerstoffaufnahme,  reichliche  Verbrennung  und  Wärmeerzeugung!

Er  umschlingt  die  zarte  Frauengestalt,  und  sie  sagt,  während  sie  sich
an  ihn  anschmiegt:  „Ach,  wie  schön  warm  du  bist!"

„Ja,“  lautet  die  Gegenrede,  „wärest  du  mit  mir  gegangen,  statt  hier
in  der  Stubenluft  unbeweglich  zu  sitzen,  so  wärest  du  ebenso  warm  wie  ich!“

Ihr  fehlte  Muskelarbeit  und  vermehrte  Sauerstoffaufnahme;  sie  war
„blutarm“  und  energielos;  ihr  Stoffwechsel  war  träge,  ihre  innere  Verbrennungswärme
  ungenügend,  daher  war  sie  selten  ganz  warm.  Wie  viele
Frauen  machen  es  so  wie  diese!  Wie  viele  frösteln  ihr  ganzes  Leben  lang
und  haben  doch  Berge  und  Sonne  vor  ihren  Fenstern!  Es  läge  nur  in
ihrer  Hand,  sich  ein  kräftigeres,  wärmeres  und  darum  auch  schöneres  Leben
zu  verschaffen;  denn  wo  Kälte  herrscht,  hört  frisch  pulsierendes,  beglückendes
Leben  auf.

Also  darum  Wärme  und  Sonne,  ihr  Frauen,  Luft  und  Bewegung,  und
ein  anderes  Geschlecht  wird  erstehen!

Im  Urzustande  kannte  der  Mensch  die  Kleiderplage  noch  nicht;  Licht
und  Luft  umspielten  seinen  Leib  beständig,  er  hatte  auch  noch  nichts  von  Hautund
  Nervenkrankheiten  zu  leiden,  die  heute  aller  Heilkunst  zu  spotten  scheinen.
Mit  der  wachsenden  Erkenntnis  von  der  eigentlichen  Bedeutung  der  Ham
(siehe  erstes  Kapitel  „Die  Haut")  „entdeckte“  man  in  unserem  Jahrhundert  die
großartige  Wirkung  der  „Lichtluftbäder"“  und  räumte  ihnen  eine  bleibende
Stätte  in  den  bedeutendsten  Heilanstalten  ein.