Sonnenlicht  und  Sonnenwärme.  129

es  entsteht  darum,  besonders  wenn  wir  uns  in  warmer  Umgebung  befinden,
welche  uns  keine  Wärme  ableitet,  oft  eine  innere  Überhitzung,  welche  uns
erregt,  den  Schweiß  austreibt  oder  uns  plötzlichem  Unwohlsein,  sogar  Ohn—
machten  aussetzt.  Dies  geschieht  sehr  oft  in  geschlossenen  Räumen,  die  mit
Menschen  angefüllt  sind,  von  welchen  jeder  einzelne  Wärme  ausstrahlt.  Im
Luftbade  aber  findet  diese  Wärmeausstrahlung  ungehindert  statt;  die  Haut
kühlt  anfänglich  ab;  der  Organismus  aber  ist  bestrebt,  den  Wärmeverlust
rasch  auszugleichen;  die  „innere  Verbrennung“  vermehrt  sich  und  dadurch  die
Beförderung  des  allgemeinen  Stoffwechsels;  bald  strömt  mehr  Blut  in  die
Hant,  als  zuvor  darin  gewesen;  sie  wird  röter,  wärmer,  gegen  sogenannte
Erkältungen  unempfindlich,  und  man  ist  plötzlich  ein  wirklich  abgehärteter,
kräftiger  Mensch  geworden.

Luftbäder  lassen  sich  zum  Familiengebrauch  in  jedem  Garten  anbringen;
nur  müssen  hohe  Wände  aufgerichtet  werden,  um  Störungen  durch  die
Nachbarschaft  zu  verhindern.  Man  stellt  sie  billig  her,  indem  man  einige
Pfosten  im  Vier=  oder  Rechteck  einschlägt  und  diese  mit  Segeltuch  bis  zu
gewisser  Höhe  umspannt.  Läßt  man  sich  dann  noch  in  diesem  Raume  eine
Bank  mit  erhöhtem  Kopfende,  die  Regen  und  Wind  anstandslos  erträgt,
herstellen,  und  überlegt  man  ihre  Nichtung  genau  je  nach  dem  Standort  der
Sonne,  damit  man  sich  auf  derselben  auch  sonnen  kann,  so  hat  man  für  das
Wichtigste  gesorgt.  Ein  Schatten  spendender  Baum  und  weiches  Gras  unter
den  Füßen  vermehren  die  Annehnmlichkeiten  eines  solchen  Luftbades  wesentlich.
In  die  Pfosten  schlägt  man  Haken,  um  Kleider  aushängen  zu  können,  und
will  man  die  Einrichtung  vollkommen  haben,  so  stellt  man  an  die  Windseite
eine  Bretterwand  mit  kleinem  schrägen  Dach,  worunter  man  sich  bei  plötzlichen
Regengüssen  flüchten,  oder  wo  man  seine  Kleider  trocken  erhalten  kann,  wenn
man  eines  der  genußreichen  Regenbäder  nehmen  will.  Unsere  Abbildung
(Fig.  54)  führt  uns  das  Ganze  vor.  Je  größer  das  Luftbad  gemacht  wird,
desto  mehr  Spielraum  haben  Kinder  und  Erwachsene,  und  desto  schöner  ist
der  Aufenthalt  darin.  Ballspielen  im  Luftgewande  ist  das  Genußvollste,  das
sich  denken  läßt.  Möchten  recht  viele  Familien,  die  Gärten  besitzen,  solche
Luftbäder  bauen  lassen!

Wie  man  bei  Kranken  und  noch  nicht  Abgehärteten  zu  verfahren  hat,
ist  im  dritten  Teile  unter  „Bäder“  nachzulesen.  Das  „Luftbaden“  ist  weit
weniger  anstrengend  oder  gefährlich  wie  jedes  andere  Bad  und  wird,  weil
es  eben  einen  dem  Menschen  naturgemäßen  Zustand  darstellt,  auch  von  sehr
kranken  Personen  nicht  nur  gut  vertragen,  sondern  auch  wohltätig  empfunden,
was  man  von  Wasserbädern  nicht  immer  sagen  kann.  Bei  sehr  empfindlichen
Menschen  sind  selbstredend  je  nach  Wetter  und  Jahreszeit,  oder  Alter  derselben,
  auch  bestimmte  Vorsichtsmaßregeln  einzuhalten.  (Siehe  „Bäder“.)

*)  Siehe  „Das  Luftbad“  von  Dr.  Lahmann  und  Clara  Muche.

Die  Frau  als  Hausärztin.  5