Viertes  Kapitel.

Kleidung,  Bett  und  Wohnung.

Tret  Forderungen  sind'’s,  dle
wir  zu  siellen  Daben:

Unsere  Kleicung.  1  ne
Gaben!
urwermsere  Besprechung  der  „Haut“"  (siehe  erstes  Kapitel  über
HRBarperbau,  dann  drittes  Kapitel  „Sonnenlicht  und  Sonnenwärme")
  mit  Verständnis  gelesen  hat,  wird  auch  das,  was
wir  über  die  Kleidung  zu  sagen  haben,  verstehen  und  vollftändig
  zu  würdigen  wissen.

Selbstverständlich  gibt  es  hygienische  Gesetze  für  die  Kleidung  im  allgemeinen,
  also  für  Männer,  Frauen  sowie  Kinder  geltend,  weil  Stoffwechselvorgänge
  und  Hauttätigkeit  für  alle  dieselben  sind;  doch  werden  wir  uns
hier  nur  mit  der  Frauenkleidung  insbesondere  befassen,  wie  es  der  Aufgabe
unseres  Buches  entspricht,  und  die  kindliche  Kleidung  im  II.  Teile  berühren.
Daß  die  Kleidung  die  Aufgabe  hat,  uns  vor  Kälte  und  Witterungseinflüssen
zu  schützen  und  uns  nebenbei  als  Schmuck  zu  dienen,  ist  nicht  so  bewußt,
wie  man  wohl  glauben  könnte;  denn  sie  ist  uns  auch  Gewohnheit  geworden
und  zwar  die  gedankenloseste  Gewohnheit,  die  unser  Leben  aufzuwenen  vermag.
  Darum  die  sinnlose  Anhäufung  von  Kleiderschichten,  darum  der
albernste  Aufputz,  der  unzweckmäßigste  Schnitt!  Ein  Blick  durch  die  Moden
der  vergangenen  Jahrhunderte  lehrt  uns,  was  die  Frauenwelt  darm  geleistet
hat.  (Siehe  Trachtenbilder  Seite  1413.—145.)

Auch  beim  Manne  finden  wir  Ahnliches;  doch  wurden  die  Auswüchse
seiner  Kleidung  immer  wieder  durch  die  Anforderungen  des  täglichen  Lebens
und  besonders  seines  Berufes  reguliert,  d.  h.  seine  Tätigkeit  konnte  Behinderung
  durch  Kleidungsstücke  nicht  lange  gestatten.  Und  so  finden  wir
unsinnige  Moden  nur  unter  der  müßigen,  vornehmen  Männerwelt,  die  aber
zu  Kriegszwecken,  zum  Jagdvergnügen  usw.  immer  besondere,  zweckmäßigere
Kostüme  nebenbei  hatte.  Nicht  so  bei  den  Frauen!  In  Putzsucht,  Eitelkeit
und  Hochmut  ging  häufig  ihr  Verstand  unter.  Erst  unsere  Zeit  hat  dies  so
recht  zum  Bewußtsein  gebracht  und  eine  „Reformbewegung  für  die  weibliche

9'“