134  Kleidung.

ungemein,  und  niemals  wird  eine  damit  bekleidete  Frau  mit  Männern  auf
die  Dauer  Schritt  halten  können.  Die  bösen  Witze,  die  hinsichtlich  der
weiblichen  Leistungsfähigkeit  bei  Ausflügen  u.  dgl.  seitens  der  Männerwelt
gemacht  werden,  sind  viel  mehr  auf  Kosten  der  geradezu  mitunter  unsinnigen
Kleidung  zu  setzen,  als  auf  angeborene
unbedingte  körperliche  Schwäche  der
Frau.  Wer  in  engen,  zierlichen  Schuhen
steckt,  vermag  natürlich  nicht  lange  beschwerliche
  Wege  zurückzulegen;  wessen
Brustkasten  künstlich  eingeengt  ist,  reicht
mit  seinem  Atem  nicht  weit,  und  während
andere  rüstig  weiter  schreiten,  muß  er
erschöpft  innehalten;  wer  ein  paar
Nöcke  zu  tragen  und  noch  einen  Sonnenschirm
  zu  halten  hat,  ist  zu  anderem
nicht  mehr  viel  brauchbar  und  ermüdet
viel  schneller  als  alle  jene,  deren  Beweglichkeit
  für  Arm  und  Bein  gar  nicht
behindert  ist.
»  Man  betrachte  dagegen  die  Leistungen
1  Hereeiner  zweckmäßig  gekleideten  Touristin.
Fig.  58.  I.  Weiblicher  Körper  ohne  Korsett.  Wie  ganz  anders  zeigt  sich  uns  diese!
1  Brusthöhle.  2  Zwerchfell.  3  Bauchhöhle.  Keinerlei  Beengungen,  Belastungen,
(biormeränderung  durch  dus  Korsett.  Behinderungen,  dagegen  ungehemmte
eingetragen.)  Nach  Dickinson.  Beweglichkeit,  heiterer  Genuß,  und  statt
der  Zeichen  heimlicher  Erschöpsung  —
überraschende  Ausdaner;  man  ahme  ihr  nach!  Fig.  57  zeigt  uns  ein
Kostüm  für  Spiel  oder  Radfahren,  das  sich  vortrefflich  bewährte.
Berechtiging  hat  der  weibliche  Rock
nur  vom  Standpunkt  der  Schönheit  aus.
Die  herabwallenden  „fließenden“  Gewänder
sind  schön  (der  moderne  sackartige  Rock
ist  aber  nicht  schön).  Man  betrachte
nur  Fig.  71  bis  73  der  Frauentrachten
.  (Seite  143).  Welcher  Faltenwurf,  welche
„dis  59.  L  Querdurchschnitt  der  Plastik  in  den  Formen!  Ja,  das  sind
Lunge  normal.  Li  Querdurchschuniit  Z
der  Lunge  im  Korsett.  schöne  Kleider!  Z  Z
Niemand  ist  gehindert,  derartiges  beizubehalten
  da,  wohin  es  gehört:  im  Haus  und  im  Salon.  Es  soll
keineswegs  bestritten  werden,  daß  die  verschiedene  Bekleidungsart  der
Geschlechter  einen  gewissen  belebenden  Reiz  ausübt,  durch  dessen  Verlust
auch  Schönheit  und  Anmut  Einbuße  erleiden  würden.  Die  Vorstellung,

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