Kleidung.  135

daß  Männer  und  Frauen,  alte  und  junge  Menschen  ausnahmslos  in
dunkelfarbige  Beinkleider  gesteckt  werden  sollen,  hat  sicherlich  nicht  viel
Anziehendes;  ja,  eine  gewisse  Verarmung  in  den  äußeren  Lebenserscheinungen
würde  durch  Eintönigkeit  in  Form  und  Farbe  und  durch  eine  allzu  starke
Betonung  der  praktischen  Zwecke,  sowie  der  allgemein  gewordenen  Nüchternheit
in  Stimmung  und  Kleidung  die  beklagenswerte  Folge  sein.  Diese  Richtung
soll  unser  Buch  keineswegs  bestärken!

Im  Gegenteil;  es  soll  das  Verständnis  für  wahre  Schönheit  und  ihre
Pflege  wecken  helfen  auf  Grund  eines  natürlichen  Sinnes,  eines  geschärften
Urteiles.  Gerade  dieses  fordert  uns  aber  auf,  Mißbräuche,  Unzweckmäßigkeiten
  aufzudecken  und  zu  bekämpfen,  sowie  vernünftige  Reformen  zu  unterstützen.


Auch  die  heutige  Männerkleidung  ist  unschön  und  bedürfte  gründlicher
Reform;  sie  nachzuahmen  wäre  ein  schwerer,  sehr  bedauernswerter  Fehler.
Wird  von  einem  „weiblichen  Beinkleid“  gesprochen,  so  stelle  man  sich  ja  nicht
das  heute  übliche  männliche  „Gehäuse“  vor,  das  ebenso  unförmlich,  wie
unhygienisch  ist.  Dieses  würden  wir  niemals  befürworten.

Die  faltige  Bekleidung,  besonders  des  Unterkörpers  der  Frau,  entspricht
  nicht  nur  einer  vielhundertjährigen  Gewohnheit,  sondern  auch  dem
weiblichen  Schamgefühl,  das  unverhüllte  Formen  nicht  gut  erträgt.  Zwar
tut  auch  hier  Gewohnheit  sehr  viel,  aber  nur  bei  langsamen  Übergängen;
Sprünge  können  keine  gemacht  werden  und  stoßen  nur  auf  harten  Widerspruch.
  Seien  wir  daher  bemüht,  den  Straßenrock  möglichst  zu  reformieren
auf  Grund  einer  verbesserten  Unterkleidung  und  vollständiger  Abschaffung
des  Schnürleibes;  heben  wir  den  Sinn  für  Arbeits=  und  Sportskleidung,
und  dann  wird  sich  vieles  im  weiblichen  Leben  bessern.  Den  wallenden,
faltigen  Frauenrock  wollen  wir  dort,  wo  er  uns  nicht  stört  und  wo  er
nicht  schadet,  keineswegs  ganz  verbannen!  Er  ist  mit  unseren  Vorstellungen
von  Würde  und  Keuschheit  der  Frau  unlösbar  verknüpst,  allerdings  aber  nur
dort,  wo  er  sich  der  antiken  Form  nähert.  Zwischen  seinem  Extrem  auf  der
einen  Seite  —  der  chinesischen  Enge  und  liberladung  —  und  dem  burschikosen
  Extrem  der  Reformkleidung  auf  der  anderen  Seite  bildet  er  einen
wohltuenden  Ruhepunkt.

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Druchwirkungen  der  weiblichen  Kleidung.

Überall  da,  wo  der  Säftefluß  in  Lymphgefäßen  oder  Venen  der  Haut
oder  gar  in  tiefer  gelegenen  Organen  gehemmt  wird,  sei  es  durch  äußere
Auflagen,  durch  Bänder,  Schnallen  oder  Gürtel,  kann  man  von  „Druckwirkungen“
  der  Kleidung  sprechen.  Gewohnheit  stumpft  aber  so  ab,  daß