Kleidung.  137

Körpersäfte  dem  Rumpfe  zu;  ein  festes  Strumpfband  schnürt  also  den  Unterschenkel
  vom  Oberschenkel  ab  und  hemmt  den  Säftestrom  der  Beine.  Schnürt
man  es  zu  fest  zu,  so  schwillt  der  Unterschenkel  merklich  an,  die  Gefäße  treten
vor,  wie  es  unsere  Zeichnung  Fig.  61  als  Stauungswirkung  zeigt.  Findet  der
Druck  mäßig,  aber  durch  viele  Jahre  hindurch  statt,  so  ist  auch  die  Wirkung
darnach;  langsam  bilden  sich  erweiterte  Venen  aus,  beim  einen  mehr,  beim
anderen  weniger,  oder  es  stellt  sich  eine  Trägheit  des  Säftestromes  in  den
Beinen  ein,  die  sich  in  den  berühmten  kalten  Füßen  der  Frauen  äußert.

Ganz  ähnlich  wirken  natürlich  auch  ein  festsitzendes  Korsett,  enge  Rockbänder
  usw.:  abschnürend,  hemmend  und  Stauungen  erzeugend.  Sie  sind
am  Rumpf  aber  nicht  so  deutlich  hervortretend,  eignen
sich  weniger  zur  Darstellung;  daher  wählten  wir  das
Bein  und  das  altertümliche  Strumpfband,  das  auf  dem
Lande  oft  noch  aus  Leder  hergestellt  wird  und  darum
gewiß  auch  gut  hält  und  „fest  sitzt".  —  Auf  Fig.  60
sehen  wir  das  Lymphgefäßnetz  unter  der  Haut  und  können
uns  darnach  vorstellen,  wie  eine  Abschnürung  wirken
muß.  Auf  der  nächsten  Zeichnung  (Fig.  61)  sehen  wir
ein  „Krampfaderbein“,  eine  Stauungswirkung,  durch  die
Abschnürung  unterhalb  des  Knies  allmählich  entstanden.

Die  Stauungen,  die  im  Becken  erzeugt  werden,  sind
viel  ernsterer  Natur  als  jene  äußerlich  sichtbaren  am
Beine,  denn  sie  betreffen  unsere  wichtigsten  Organe,
Leber,  Milz,  Darm,  Gebärmutter  usw.

Sie  äußern  sich  durch  Unbehagen,  das  sich  bis  Bein  zuit  Rranf
zum  Schmerz  steigert,  dann  aber  in  bleibenden  Ver-  Strumpfband.
größerungen  und  Verunstaltungen  der  genannten  Organe
mit  allen  ihren  Folgen.  Man  wird  wenig  modisch  gekleidete  Frauen  finden,
deren  innere  Organe  tadellos  sind  in  bezug  auf  Form  und  Lage,  und  darum
auch  das  häufige  schlechte  Aussehen,  das  plötzliche  Unwohlsein  bei  Damen
in  Gesellschaften,  das  man  bei  den  Männern  gar  nicht  kennt.  Man  vergleiche
  auch  nur  den  lockeren,  fast  druckfreien  Anzug  der  Männer.  Sie  haben
keine  Strumpf=  und  Rockbänder,  keinerlei  Korsett,  keine  die  Beweglichkeit  der
Glieder  behindernde  Einrichtung!

Warum  aber  sollen  sie  die  Frauen  haben?  Es  ist  gar  kein  Grund
dazu  vorhanden!  Wenn  sie  es  nicht  wollen,  brauchen  sie  es  nicht.  Möchten
diese  Zeilen  sie  anregen,  diesen  Willen  zu  ihrem  eigenen  Besten  zu  pflegen.

Die  für  die  Frau  gefährlichste  Druckwirkung  ist  jene  auf  die  Organe
der  Beckenhöhle.  Dieselbe  entsteht  immer  durch  den  Druck,  den  ein  gutsitzendes
  Korsett  mit  festem  Blanchet  (dem  üblichen  breiten  Eisenstab)  auf  den
Bauch  ausübt.  Unter  natürlichen  Umständen  quillt  dieser  vor,  ebenso  wie
die  Hüften,  die  nicht  eingedrückt,  sondern  nach  unten  geschoben  werden;  um