140  Kleidung.

Das  Kennzeichen  der  modernen  jungen  Städterin  ist,  daß  sie  nichts
aushält  und  daß  die  Art  ihrer  Bekleidung  sie  noch  widerstandsunfähiger
macht.

Die  Behinderung  der  Atmungstätigkeit  durch  das  Korsett  ist  eine  Folge
des  Druckes,  die  in  vielen  Schriften  schon  eingehende  Besprechung  fand.  Die
unteren  Lungenlappen  arbeiten  weniger  bei  beengtem  Brustkorb  und  dehnen
sich  niemals  vollständig  aus,  die  ganze  Atmung  wird  flacher  und  beschränkt
sich  auf  die  oberen  Partien  der  Brust.  (Siehe  Fig.  59.)

Wie  wenig  Frauen  kräftig  und  richtig,  d.  h.  mit  allen  Teilen  beider
Lungenflügel  atmen  können,  erfährt  man  erst  dann,  wenn  man  sie  unter
ärztlicher  Leitung  Lungengymnastik  betreiben  läßt.  Wenn  nicht  schon  ausgesprochene
  Lungenschwäche
  oder  vielleicht
  einseitige  Verwachsungen
  des  Lungenfelles
  vorhanden
sind,  so  ist  nur  die
mangelhafte  übung,
die  jahrzehntelang  einwirkende
  Behinderung
durch  die  Kleidung
die  Ursache,  daß  die
meisten  Frauen  ent-.

  weder  nicht  tief  ein—
Fig.  67.  Ausatmung.  Fig.  68.  Einatmung.  atmen  oder  den  Atem
nicht  anhalten  oder
nicht  gründlich  ausatmen  können.  Stets  ist  die  Atmung  oberflächlich,  kraftlos,
  nicht  ausreichend,  und  erst  durch  wochenlange  Übung  wird  dieser  Fehler
wieder  ausgeglichen.

Es  heißt  darum  auch,  daß  der  Mann  das  „Zwerchfellatmen“  habe,  die
Frau  das  „Brustatmen",  und  zwar  deshalb,  weil  eine  kräftige  Ein=  und  Ausatmung
  ohne  deutlich  fühlbare  und  sichtbare  Mitwirkung  des  Zwerchfells  gar
nicht  möglich  ist  und  weil  die  Frauen  durch  die  Beengung  der  Leibesmitte
  das  Zwerchfellatmen  langsam  verlernen.  Welche  große  Bedeutung
  aber  das  Zwerchfellatmen  hat,  lernt  man  begreifen,  wenn  man  die
Wirkung  der  ausgiebigen  Bewegungen  des  Zwerchfells  auf  die  Eingeweide,
vor  allem  auf  Magen  und  Leber,  erkannt  hat  und  dann  beobachtet,  wie
anders  sich  das  Atmen  gestaltet,  wenn  die  unteren  Lungenlappen  mitarbeiten.
Jeder  kann  dies  an  sich  oder  seinen  Kindern  nachprüfen!

Und  bezweifeln  Frauen,  daß  sie  durch  das  Korsett,  an  das  sie  so  gewöhnt
  sind,  im  Atmen  behindert  seien  und  behaupten  sie  immer  wieder,  „es
drücke  nicht",  dann  lasse  man  sie  doch  ein  kleines  Experiment  ausführen,