142  Kleidung.

Der  Druck  der  schmalen  Bänder  trifft  die  Nierengegend,  die  Milz  und  die
Leber.  Es  ist  nicht  ohne  Ursache,  daß  verhältnismäßig  viele  Frauen  an  Magensenkung
  und  Nierenverschiebung  leiden,  und  es  hängen  diese  beklagenswerten
Erscheinungen  innig  mit  der  Bekleidung  zusammen.  Um  eine  Vorstellung
von  der  Verschiebung  der  höher  gelegenen  inneren  Organe  zu  geben,  bringen
wir  noch  die  Zeichnungen  aus  Dr.  Lahmanns  „Die  Reform  der  Kleidung“,
weil  sie  uns  deutlich  zeigen,  wie  der  Dickdarm  nach  unten  wandern  muß,
wie  sich  Magen  und  Leber  verschieben  (Fig.  69  und  70)  und  wie  die  „Wanderniere“
  künstlich  ausgebildet  wird.  (Siehe  Heilkunde  „Wanderniere“.)  Die
verkümmerten  Rückenmuskeln  kann  man  nicht  zeichnen,  noch  weniger  die  durch
Kleiderdruck  entstehenden  inneren  Stauungen.

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Betrachtung  der  Frauentrachten  vergangener  Zeiten.

Erst  wenn  man  weiß,  wie  ein  Ding  geworden  ist,  weiß  man,  was  es
wirklich  ist!  Deshalb  ist  ein  Spaziergang  durch  die  vergangenen  Jahrhunderte
  sehr  lehrreich  und  interessant,  nicht  nur  um  der  Franenwelt  den
Wechsel  der  Moden  zu  zeigen,  sondern  vor  allem  ihre  Verirrungen.  Aber
auch  Vorzüge  treten  da  und  dort  auf,  die  nicht  minder  der  Betrachtung  würdig
sind.  Sie  alle  geben  uns  neue  Anregungen,  zeigen  uns,  was  wir  zu  meiden,
was  wir  zu  erstreben  haben.

Wir  beginnen  bei  Fig.  71,  der  Griechin.  Freie  Arme,  freier  Hals,
wie  sonst  bei  keiner  anderen  Figur!  Keine  Trennung  des  Ober=  und  Unterkörpers,
  einfacher  Faltenwurf  und  doch  volle  Entwicklung  der  natürlichen
weiblichen  Formen,  einfache  aber  schöne  Randverzierungen,  keine  schleppenden
Gewänder.  Die  Unterkleidung  war  sehr  dürftig;  denn  bei  keiner  anderen
Tracht  tritt  der  Körper  so  unverhüllt  hervor.  Viel  verhüllter,  ernster.
strenger,  aber  immer  noch  schön,  erscheint  daneben  die  Römerin.  Sie
hat  schon  einen  Ansatz  zum  Armel  und  verschmäht  allen  Zierat.  Der
reiche,  prächtige  Faltenwurf  fordert  den  Bildhauer  auf,  mit  seiner  Arbeit
zu  beginnen.

Wie  sich  in  dem  Außeren  dieser  zwei  Figuren  Geist  und  Leben  der
Völker,  welchen  sie  entnommen  sind,  verrät!  Hier  das  sonnige,  Schönheit
liebende  Griechenland,  von  dessen  Bauten  und  Idealgestalten  wir  heute  noch
zehren,  dort  das  machtvolle  Rom,  das  uns  Gesetze  hinterließ.

Voll  Reiz  und  natürlicher  Anmut  ist  die  Germanin,  Fig.  73.  Natürlich
  herabfallendes,  lockiges  Haar,  ein  Ansatz  zum  Gürtel,  ungesuchte  Formen,
das  denkbar  Einfachste  in  Kleidung  und  Haltung.

An  diesen  drei  Gestalten  sind  keinerlei  Verirrungen  oder  Unschönheiten
zu  entdecken,  sie  könnten  als  musterhafte  Grundlagen  dienen.