Kleidung.  147

Falten  des  „Bauernrockes“,  die  ganze  ungeschickte  Haltung  der  deutschen
Dame  mit  dem  Reiz  der  beiden  französischen  Gestalten  in  Fig.  85  und  86,
dann  die  Schwerfälligkeit  der  ganzen  Erscheinung  in  Fig.  79,  ihre  über—
ladung,  der  jede  Zierlichkeit  abgeht,  im  Gegensatz  zu  Fig.  91  oder  92,
welche  Moden  ja  auch  aus  Paris  kamen,  zwar  überladen,  aber  dennoch
elegant  sind.

Ebenso  natürlich  wie  schön  sind  noch  die  Deutschen  auf  Fig.  73,  76,  82,
die  einen  gewissen  harmonischen  Eindruck  hinterlassen.

Wir  ersehen  aus  diesen  Betrachtungen,  daß  das  Reformkostüm  wirklich
„etwas  Neues“  ist,  d.  h.  so  zweckbewußt  und  ohne  die  genannten  Übertreibungen
  oder  Fehler,  wie  es  noch  keine  Zeit  aufzuweisen  hatte.  Am  meisten
nähert  es  sich  dem  Revolutionskostüm  (1790).  Vergleichen  wir  es  aber  mit
Fig.  71,  72  und  73,  so  erkennen  wir,  daß  es  zwar  sehr  „praktisch“  und  sehr
„modern"  ist,  aber  —  von  jener  ruhigen,  antiken  Schönheit  auch  sehr  weit
entfernt.

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Unsere  Bekleidungsstoffe.

Sie  werden  aus  Schafwolle,  Baumwolle,  Leinenfaser  und  Seide  an—
gefertigt;  ebenso  gibt  es  zahlreiche  Mischungen  zweier  Sorten,  z.  B.  von  Leinen
und  Baumwolle,  Schafwolle  und  Baumwolle  und  anderes  mehr.  Seide  ist
am  teuersten,  Baumwolle  am  billigsten.  Ihre  Eigenschaften  sind  hinsichtlich

Wärme  und  Feuchtigkeit  sehr  ver-  —  Wrrschieden,
  und  dieser  Umstand  allei.  #  rdnßwprv  46333322

sollte  bei  ihrer  Wahl  maßgebend  1
sein.  So  saugt  Schafwolle  Feuchtig
keit  gut  auf,  gibt  sie  aber  schwer
wieder  her  (sie  bleibt  lange  feucht

*#  —  n.  ###s

—

V.

·.

und  trocknet  schwer);  Baumwolle  1  #  -—
saugt  weniger  gut  auf  als  Wolle,  nn  Z
trocknet  aber  schneller.  —

Zu  lufthaltigen  Geweben  her-  Fig.  93.  Trikot.

gestellt  (porös!),  sind  sie  ebenso  warm
wie  durchlässig  und  hygienisch;  die  Baumwolle  verdient  deshalb  den  Vorzug,
weil  sie  weniger  Krankheitskeime  aufnimmt,  sich  besser  waschen  läßt  und
billiger  ist;  auch  reizt  sie  die  Haut  weniger  durch  ihre  Fasern,  als  dies  bei
der  Schafwolle  der  Fall  ist.  Beide  sind  schlechte  Wärmeleiter,  darum  die
wärmsten  Bekleidungsstoffe.

Seide  und  Leinenstoffe  nehmen  geringe  Wassermengen  rasch  auf,  geben
sie  aber  auch  rasch  ab,  erzeugen  daher  auf  der  Haut  ein  unangenehmes  kühles

Gefühl,  was  empfindliche  Personen  niemals  gut  vertragen.  Beide  sind  weniger
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