148  Kleidung.

warm  als  Wolle,  obwohl  man  jetzt  auch  aus  Seide  und  Leinen  Gewebe  herstellt,
  welche  sich  in  ihren  Eigenschaften  der  Baumwolle  nähern.

Wir  verweisen  an  dieser  Stelle  auf  die  Gewebe  der  Firma  Schönherr
  in  Köln,  welche  der  Leinenfaser,  die  einen  wenig  günstigen  Ruf  hat,
Eigenschaften  der  Wolle  zu  verleihen  vermochten.

Gasförmige  Stoffe  werden  von  Schafwolle  gut  aufgesogen,  daher  der
Ruhm  der  Schafwollgewebe,  daß  sie  niemals  üblen  Geruch  haben,  auch  nach
längerem  Tragen  nicht,
während  ein  Leinenhemd
von  dichtem  Gewebe  nach
alter  Art  schon  nach  kurzer
Zeit  „riecht“,  also  üble
Dunststoffe  nichteinsaugt,
sondern  mehr  an  der
Oberfläche  hält.  Lockere
Trikotgewebe  aus  Wolle
oder  Baumwolle  lassen

Fig.  91.  Netzstoff  nach  Schönderr.  die  Dunststoffe  durch  und

saugen  weniger  auf;  sind

sie  aber  abgetragen,  dünner  geworden,  so  nähern  sie  sich  anderen  Geweben  und
„riechen“  schneller.  Das  sind  alles  wichtige  Erscheinungen.

Unsere  Kleidung  „wärmt“  aber  nicht  nur  durch  ihre  geringere  oder
größere  Wärmeleitungsfähigkeit
  oder  ihren  Luftgehalt,
  sondern  auch  durch
ihre  Farbe,  indem  sie
darnach  mehr  oder  weniger
  Wärmestrahlen  aufnimmt
  (,  verschluckt")
«»·  «  oder  zurückwirft.  Prof.
Dorr.  Prausnitz  setzte  die

Fig.  95.  Goßmaunsches  Ventilations-Gewebe.  sirahlen  bei  weißem

Hemdenschirting  auf  100
und  fand,  daß  schwarze  Stoffe  —  208  sind,  alle  anderen  dazwischen,
also  rot  —  165,  hellblau  —  198  usw.

Wir  haben  darnach,  wie  es  tatsächlich  längst  Gebrauch  ist,  im  „weißen
Kleide“  nicht  nur  das  hellste,  sondern  auch  das  kühlste  Kleid,  im  schwarzen
das  dunkelste  und  wärmste,  im  grünen  ein  kühleres  als  im  blauen,  und  im
hellgelben  ein  kühleres  als  im  roten.  Daß  die  Wahl  der  Kleiderfarben  weder
für  den  Zustand  unserer  Haut  noch  für  unser  Nervensystem  gleichgültig  ist,
ist  nach  dem  eben  Angeführten  sicher;  man  sagt  sogar,  daß  beständig  getragene