Kleidung.  165

die  in  einem  Stück  gearbeiteten,  die  den  großen  Vorteil  haben,  die  Zweiteilung
  des  Rumpfes  zu  verhüten  und  bei  gutem  Ban  entschieden  verschönernd
zu  wirken.  Fig.  125  stellt  uns  zwei  Salonkleider  dar,  die  durch  Anmut  und
Eleganz  wirken.  Ein  praktisches  Hauskleid  ist  Fig.  111.

Wer  eine  gute  Haltung  hat  und  schlank  ist,  oder  durch  gute  Erziehung
und  Anlage  so  kräftig  ist,  daß  er  keine  Stützen  braucht,  der  bedarf  auch
des  Büstenhalters  nicht,  der  im  Sommer  auch  heiß  macht,  und  den  ein  unbefangener,
  an  Luftbäder  gewöhnter
Mensch  nur  als  Belästigung  empfindet.
Nicht  klar  dürfte  es  den  meisten  Frauen
sein,  daß  das  heutige  Korsett  die
Schlaffheit  der  Brüste  geradezu  großzieht,
  indem  es  sie  beständig  hebt  und
sie  entwöhnt,  sich  selbst  zu  halten.
Wirken  sie  nun  vom  14.  Jahre  ein,
so  ist  es  wahrlich  kein  Wunder,  wenn
die  Brüste  ihre  pralle  Form  verlieren
  und  mehr  oder  minder  schlaff
werden.  Über  ihre  besondere  Pflege
werden  wir  in  anderen  Kapiteln  noch
einiges  bringen.

Üüber  wärmere  Bekleidung  für
die  Straße,  über  Jacken  und  Mäntel
ist  noch  folgendes  zu  sagen:  ein  leichter,
undurchlässiger  Regenmantel,  der
zu  allen  Zeiten  getragen  wird,  sollte
eigentlich  im  Besitze  jeder  Frau  sein;
doch  müßte  er  eine  Kaputze  haben
um  auch  den  Kopf  zu  schützen  und  den
Regenschirm  überflüssig  zu  machen
Es  ist  sicher,  daß  dieser  eine  lästige
Plage  bildet,  und  ganz  nnabhängig  1
von  ihm  zu  werden,  ist  etwas  Schönes.  Fig.  126.  Reformkostüm.  Nach  Kneipp.
Man  probiere  es  nur!  "

Dann  sind  lockere,  kurze  Tuchjacken  gewiß  auch  zu  empfehlen;  für  große
Kälte  aber  oder  für  Reisen  eignen  sich  große  Mäntel  entweder  mit  rmeln
oder  auch  ohne  solche,  je  nach  Verhältnissen  mit  oder  ohne  Fütterung  und  Besatz.
Natürlich  müssen  sie  weit  sein  und  nicht  etwa  Taillenschnitt  haben,  sondern
dem  Schnitt  des  Oberkleides  durchaus  angepaßt  bleiben.  Dies  sindet  sich  jedoch
von  selbst,  wenn  nur  erst  die  Herrschaft  der  Taille  mit  allem  ihrem  Anhang
abgeschafft  ist.  Wer  widerstandsfähige  warme  Kleiderstoffe  sucht,  der  halte
sich  an  steierische  Loden.

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