Bett.  167

gibt  zahlreiche  Familien,  im  übrigen  ganz  reinlich,  welche  aus  Angst  vor
„kalter  oder  feuchter  Luft“  ihr  Bettzeug  den  ganzen  Winter  durch  nicht  ins
Freie  bringen  und  sich  darüber  keine  Gedanken  machen.  Und  das  ginge  noch
an,  wenn  diese  Menschen  wenigstens  bei  offenen  Fenstern  schliefen,  oder  wenn
die  Betten  aus  durchlässigen,  nicht  gesundheitswidrigen  Stoffen  beständen.
Aber  wie  sind  sie  tatsächlich  beschaffen?  Fangen  wir  mit  den  Unterlagen  an.
Sie  bestehen  aus  einer  Sprungfedermatratze,  die  aus  Werg  und  Drahtfedern
angefertigt  ist,  und  ihre  Lage  oft  Jahre  lang  nicht  verändert.  Sie  sind
warm,  aber  wenig  durchlässig;  dann  kommen  Matratzen  aus  Seegras,  Roß—
haar  oder  gemischten  Füllungen  von  verschiedener  Güte,  dann  häufig  noch
Wolldecken,  Federbettunterlagen  usw.,  bis  endlich  das  weiße  Leintuch  folgt.

Der  Oberkörper  hat,  um  eine  erhöhte  Lage  herzustellen,  zwei  bis  drei
Federkissen,  in  welche  er  sich  richtig  eingräbt,  wenn  sie  nicht  sehr  stramm
gefüllt  sind,  und  welche  im  Sommer  unerträglich  heiß  werden.

Als  Zudecke  dienen  gleichfalls  Federbetten,  mit  weißem  oder  buntem
überzug,  wollene  Decken  mit  leinenen  Unterlagen,  oder  Steppdecken  aus
Baumwolle  oder  anderen  Füllstoffen  aus  Pflanzenfasern.

Wir  haben  die  Aufgabe,  das  Bett  ebenso  weich,  wie  warm,  leicht  und
durchlässig  zu  gestalten,  es  sind  daher  in  den  letzten  Jahren  verschiedene
Reformvorschläge  bekannt  geworden,  welche  diese  Bedingungen  zu  erfüllen
scheinen.  Nicht  erhitzend  darf  das  Bett  wirken  und  nicht  durch  Sprungfedern
dem  Körper  die  nötige  Ruhelage  nehmen;  denn  durch  Gänsefedern  unten
und  oben  wird  die  Wärmeausstrahlung  bedeutend  erschwert  und  durch  das
Nachschwingen  der  Drähte  die  Ruhe  des  Körpers  vermindert.

Die  leichten  und  kleinen  Vogelfedern,  aneinander  gehäuft,  lassen  weder
Luft-  noch  Wärmestrahlen  durch;  sie  sind  daher  richtige  Gas-  und  Wärme—
fänger,  und  Bakterien  aller  Art  haben  in  ihnen  einen  prachtvollen  Ansied—
lungsort.  Daher  eignen  sie  sich  nicht  als  Unterlagen,  als  Zudecke  aber  nur
dann,  wenn  es  sich  um  sehr  wärmebedürftige  oder  herabgekommene  Individuen
haudelt,  und  wenn  man  für  fleißiges  Durchschütteln  und  Durchlüften  der
Federdecken  Sorge  trägt.  Alle  Reformen  der  Neuzeit  dürfen  uns  nicht  blind
machen  gegen  gewisse  Vorzüge  althergebrachter  Einrichtungen,  welche  unsere
Vorfahren,  die  gesünder  waren  als  wir,  über  alles  schätzten.  Die  Wärme
der  Federdecken  bleibt  also  unbestritten;  wenn  wir  stets  zwischen  Kranken
und  Gesunden  unterscheiden,  so  werden  wir  auch  die  Einrichtung  der  Betten
darnach  bestimmen  können.

Für  junge  und  gesunde  Menschen  harte  und  kühle  Lager,  keinerlei
Federzeug,  nur  wollene  Decken,  Roßhaar  als  Kopfkissen;  zeigen  sich  neurasthenische
  Anlagen  und  wenig  Eigenwärme,  so  wird  ein  Plumeau  der  Wolldecke
  aufgelegt,  welche  die  Beine,  die  zu  Kälte  neigen,  rascher  erwärmt  als
alles  andere.  Matratzen  aus  Roßhaar  sind  die  haltbarsten,  lassen  sich  gut
reinigen  und  saugen  wenig  auf;  aus  Seegras  sind  sie  härter,  kühler,  weniger