Wohnung.  171

das  ist  es  ja,  was  wir  erstreben;  das  Zusammendrängen  der  Menschen
auf  kleine  Flächen,  das  Übereinanderwohnen,  das  gegenseitige  Verderben
der  Atmungsluft  hört  damit  auf.

Da  die  Schlafzimmer  für  unsere  Gesundheit  die  wichtigsten  Räume  sind,
lege  man  sie  nach  Osten,  um  die  Morgensonne  auf  den  Organismus  ein—
wirken  zu  lassen,  ebenso  die  Küche,  die  viel  Licht  braucht  und  in  welcher  sich
keine  Mikroorganismen  (kleinste  Lebewesen)  ansammeln  dürfen.  Wird  doch
in  der  Küche  unsere  Nahrung  bereitet  und  hängt  doch  von  ihrer  Beschaffenheit
  die  Reinheit  unseres  Blutes  ab!  Wo  aber  das  Sonnenlicht  fehlt,  dort
wachsen  alle  die  kleinen,  zuerst  unsichtbaren  Keime,  die  Schmutz  und  Krankheit
  verursachen.

Also  Küche  und  Schlafzimmer  sind  die  wichtigsten  aller  Räume
in  jedem  Hause!  Die  Verteilung  der  anderen  Räume  ist  dann  weniger
wichtig;  an  allen  Seiten  des  Hauses  sind  sie  brauchbar,  weil  sie  von  keiner
nachbarlichen  Mauer  beschattet  werden  und  weil  kein  Nebenhaus  ihnen  Luft
wegnimmt.

Die  Zukunft  wird  uns  sicher  eine  Bauart  bringeu,  welche  uns  in  keiner
Weise  stört  und  dennoch  beständigen  Lustzutritt  ermöglicht:  Klappenvorrichtungen,
  Röhrenleitungen  durch  das  ganze  Haus,  welche  ebenso  für  gleichmäßige
Erwärmung  aller  Räumlichkeiten,  wie  für  beständigen  Luftabzug  sorgen,
elektrische  Beleuchtung  statt  der  rußigen,  primitiven  Ollampen,  geruchlose,
leicht  zu  reinigende  Abtritte  (Tonnensystem),  hygienischere  Wohnungseinrichtungen
  im  allgemeinen  usw.

Daß  auch  die  Küchen  bedeutende  Verbesserungen  erfahren  werden,  sei
hier  nur  angedeutet.  Das  tägliche  „Feuermachen",  das  Anrußen  aller  Geschirre,
  die  Ungleichheit  der  Ofenwärme:  dies  alles  deutet  eigentlich  auf  noch
recht  barbarische  Zustände,  deren  Unvollkommenheit  eine  Menge  Nachteile
nach  sich  zieht,  die  man  aber  so  gewöhnt  ist,  daß  man  glaubt,  es  könne  gar
nicht  anders  sein.  Die  Emanzipation  vom  Herdfeuer  wird  das  weibliche
Geschlecht  im  wahren  Sinne  des  Wortes  befreien.

Die  Abschaffung  der  Kamine  aber  wäre  gleichbedentend  mit  einer
vorher  ungekannten  Reinigung  der  Luft.  Sichtbare  und  mnsichtbare
Kohlenteilchen  (Ruß)  beschweren  unaufhörlich  die  Luft,  schwärzen  Häuser,
Möbel  und  Wäsche,  machen  eine  Unsumme  von  täglichen  Reinigungsarbeiten
  notwendig,  die  dann  vollständig  wegsielen.  Man  stelle  sich
nur  vor:  kein  Ruß  mehr!  Keine  geschwärzten  Menschenlungen  mehr!  Es
wäre  zu  schön!

Während  Heißluft=  und  Dampfröhrenheizung  das  ganze  Haus  von
oben  bis  unten  erwärmte,  würden  die  Luftröhren  auch  für  beständige  Erneuerung
  der  Innenluft  sorgen;  eine  Ansammlung  von  menschlichen  Ausdünstungen
  wäre  also  gar  nicht  mehr  möglich;  übelriechende  Zimmerluft
würde  niemand  mehr  aus  eigener  Erfahrung  kennen.  Man  könnte  wohnen,