176  Nuhe  und  Bewegung.

viel  größerer  Sorgfalt  beaufsichtigt  werden.  Was  wir  während  des  Schlafes
in  uns  aufnehmen,  ist  für  die  Art  des  Schlafes  und  den  Grad  unserer  Erholung
  und  Wiederherstellung  von  größter  Wichtigkeit.  Geschlossene  oder
gar  verbrauchte  Zimmerluft  ist  für  einen  Schlafenden  nicht  geeignet,  auch
genügen  ihm  kleine  dumpfe  Räume  nicht  und  nicht  jedes  Lager  ist  für  ihn
gut  genug.  Ach,  in  welcher  Umgebung  sieht  man  oft  kleine  sauerstoffhungrige
  Kinder,  Kranke  oder  Erholungsbedürftige  schlafen!  Es  ist  unglaublich
  und  tut  dem  Menschenfreund  wehe.

Allen  Hausfrauen,  Müttern  und  Krankenpflegerinnen  sei  es  deshalb  ans
Herz  gelegt,  für  beständigen  Sauerstoffzufluß  für  die  Schlafenden  zu  sorgen,
und  alle  üblen  Ausdünstungen  ihnen  fern  zu  halten,  ferner  das  sonnigste,
angenehmste  Zimmer  zum  Schlafraum  zu  bestimmen.

Unser  Buch  hat  die  Aufgabe,  gerade  das  Verständnis  für  die  nächstliegenden,
  sogenannten  „gewöhnlichen“  Dinge,  deren  hohe  Bedeutung  oft  so
wenig  erkannt  wird,  zu  wecken  und  dadurch  die  häuslichen  Aufgaben  der
Frau  erst  in  das  rechte  Licht  zu  setzen.  Die  volle  Würdigung  des  Schlafes
gehört  auch  dazu.

Bezüglich  der  natürlichsten  Lage  im  schlafenden  Zustande  hört  man  oft
die  widersprechendsten  Ansichten  äußern.  Wir  verweisen  auf  die  Figur  213
des  Gorilla  im  II.  Teile  unseres  Buches,  um  an  diesem  Bilde  zu  zeigen,
was  eine  „natürliche“  Lage  ist.  Also  Rückenlage  mit  erhobenen  Armen,
welche  die  meisten  gesunden  Menschen  lieben  und  instinktiv  einnmehmen.  Sie
erleichtert  die  Atmung  wesentlich  und  gestattet  freie  Bewegung  aller  Glieder.
Daß  sie  mit  rechter  oder  linker  Seitenlage  oder  auch  einmal  mit  der  recht
wohltuenden  Bauchlage  abwechseln  kann,  ist  selbstverständlich.  Besondere
Rücksicht  auf  die  Lage  im  Schlafe  brauchen  überhaupt  nur  Kranke  zu  nehmen.

Auch  über  die  Menge  des  nötigen  Schlafes  herrscht  viel  Unklarheit.
Während  die  einen  zu  viel  schlafen,  dadurch  Fettansatz  und  geistige  Trägheit
züchten,  leiden  andere  an  chronischem  Schlafmangel.

Zu  letzteren  gehören  viele  Angestellte  und  sehr  viele  abgehetzte  Familien-=mütter.
  Bei  Fabrikarbeitern  beginnt  bei  langen  Heimwegen  oft  erst  um  11  Uhr
nachts  die  Ruhe;  um  4  Uhr  morgens  aber  findet  der  Aubbruch  schon  wieder
statt.  Das  sind  5  Stunden  Schlaf!  Auch  für  einen  Erwachsenen  zu  wenig;
denn  nur  bei  7  bis  8  Stunden  bleibt  man  im  Gleichgewicht  seiner  Kräfte.
Die  geplagten  Mütter  aber  haben  oft  bis  Mitternacht  für  die  Familie  zu
flicken  und  zu  ordnen;  trotzdem  ruft  das  Jüngste  bei  Morgenanbruch  die
Mutter  abermals,  und  wenn  sie  nach  Befriedigung  des  Schreihalses  noch
einmal  in  Schlummer  sinkt,  den  die  müden  Glieder  so  dringend  fordern,
dann  ruft  der  Glockenschlag  den  Mann  zur  Arbeit,  und  die  Schlaftrunkene
muß  sich  abermals  vom  Lager  aufraffen,  um  Feuer  zu  machen  und  Kaffee
zu  kochen.  Wie  viele  schwächliche  Frauen  lernt  der  Arzt  kennen,  die  an
Erholung  und  Schonung  der  eigenen  Kräfte  nie  denken  können,  da  sie  für