178  Ruhe  und  Bewegung.

schädigen.  Unsere  Ausbildung  zur  Vielseitigkeit  sollte  also  eine  bewußte  Aufgabe
  der  Erziehung  sein.

Man  wechsle  ab  mit  der  Arbeit  und  pflege  zeitweilig  auch  beschauliche
Ruhe,  wobei  sich  der  Geist  sammelt  und  die  Spannkräfte  sich  wieder  vermehren.
  Die  uuruhigen  Menschen,  die  immer  „etwas  tun“,  sich  bewegen
oder  mindestens  schwatzen  müssen,  sind  auch  krankhaft;  sie  sollte  man
methodisch  dämpfen  und  den  Genuß  der  Ruhe  lehren.  Die  äußere  Unruhe
geht  auch  gewöhnlich  mit  sehr  unruhigem  Geist  und  nervöser  Konstitution
Hand  in  Hand  und  wird  insbesondere  sehr  häufig  beim  weiblichen  Geschlecht
gefunden.

Strengere  geistige  Dressur,  mehr  Vertiefung  bei  allen  Verrichtungen,
mehr  Ubung  in  Selbstbeherrschung  und  Selbstzucht  wird  auch  ein  schwächeres
Nervensystem  vor  solcher  Unruhe  schützen.  Man  unterscheide  demnach  wohl:
nervöse  Unruhe  von  bewußter  Vielseitigkeit,  Oberflächlichkeit  und  Vielgeschäftigkeit
  (auch  bei  den  Frauen  so  häufig  zu  beobachten!)  von  systematisch
geleiteter  Arbeit  und  Abwechslung.

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o  „Arbeit  ist  des  Blutes  "Q
Bewegung,  Gymnastik.  ubenie  dih  vilirr

Herder.

Man  teilt  alle  Arten  von  Bewegung  in  aktive  (D.  i.  tätige,  gewollte)
und  in  passive  (d.  i.  erleidende,  also  nicht  gewollte).

Wenn  wir  einen  Schritt  machen,  um  ein  Ziel  zu  erreichen,  so  haben
wir  eine  aktive  Bewegung  ausgeführt,  bewußt  und  gewollt;  wenn  aber
jemand  unseren  Arm  vom  Tische  schiebt,  um  vielleicht  Platz  zu  schaffen,
so  haben  wir  eine  passive  Bewegung  ausgeführt,  nicht  gewollt,  sondern
erlitten.

Diese  Grundbegriffe  darzulegen  ist  notwendig,  bevor  wir  zur  Lehre  von
den  Bewegungen  übergehen.

Eine  Frau,  die  verschiedene  häusliche  Arbeiten  verrichtet,  Böden
wischt,  Tische  scheuert,  Fenster  reinigt,  Kinder  trägt,  Eimer  schleppt  usw.,
strengt  alle  Muskeln  ihres  Körpers  so  sehr  an,  daß  sie  keiner  kunstvollen
Gymnastik  bedarf,  um  sich  Bewegung  zu  schaffen.  Jene  Frauen  aber,  die
gar  nicht  wissen,  was  körperlich  arbeiten  heißt,  deren  Muskeln  daher
schwach  und  ungeübt  sind,  diese  haben  Gymnastik  nötig.  Sie  läßt  sich  in
Jorm  spystematisch  geordneter  Übungen  ausführen  oder  auch  als  Sport
betreiben.

Die  Muskelbetätigung  bei  Ausführung  praktischer  Arbeiten  wird  jedoch
meist  wenig  geschätzt,  weil  sie  eine  „Mußarbeit“  ist;  die  Gymnastik  als
systematische  libung  langweilt  bald;  es  bleibt  dann  nur  noch  der  Sport  übrig,
dessen  Zweck  das  Vergnügen  ist  oder  auch  beschleunigte  Fortbewegung.  Kranke